Dämlicher Kanak!

Mir doch egal, ob „man“ das sagt. Ob es sich gehört und korrekt ist. (Auch wenn, wie ich eben nachlas, es nicht immer eine Beschimpfung war, sondern Respekt zollte. ICH meine es gerade eben ganz genauso wie es die Mehrzahl der Leute versteht.)

Nicht etwa, weil ich rassistisch bin. Für mich kann jeder sein, wie oder was er will oder muss. Aber ich erwarte, dass Menschen in meiner Umgebung sich an ganz gewöhnliche Spielregeln halten und nicht deswegen, weil sie von woanders kommen, besondere Rechte einfordern. Wenn sie besondere Rechte haben wollen, also solche, die bei ihnen daheim üblich sind, dann sollen sie nicht den Wunsch haben, hier leben zu wollen, wo andere Rechte für jeden ihre Gültigkeit haben.

Wenn sie bei uns leben und die hiesigen Ansprüche haben wollen, sollen sie nicht denken, das ginge im Zusammenhang mit ihrer Lebensweise. Die, wenn sie funktioniert hätte, ja dazu geführt haben würde, dass sie eben nicht von daheim weg wollten.

Ist mir egal, ob das jetzt irgendwie „rechts“ klingt. Weil ich es so nicht meine. Ich meine es deswegen nicht so, weil ich von klein auf gelernt habe, dass Menschen auf andere Menschen Rücksicht nehmen. Und wer das nicht will oder kann, passt nicht in diese Gesellschaft, die ein gutes Stück weit auf eben dieser Rücksichtnahme und Solidarität fußt.

Sich da hinzustellen und zu sagen: „Also bitte, ihr seid so Scheiße, weil ihr meine Eigenarten nicht als gegeben hinnehmt!“, ist auch eine Art von Faschismus. Da wir ja heute so großzügig mit derlei Begrifflichkeiten sind. Nämlich der Faschismus derer, die ihre Andersartigkeit in Kombination mit einer gewollten Rücksichtslosigkeit als ANSPRUCH wahrnehmen. Den Anspruch derer, die hinzu gekommen sind und sich gegen vermeintliche Nazis gewaltsam aufstellen.

Dass das alles nicht freundlich klingt, mag sein. Aber ich habe äußerste Unlust, mich in meinem Land, das ja bislang irgendwie ganz gut funktionierte, aufstellen zu müssen gegen jene, die noch viel mehr Unlust haben, sich einzufügen in eine Gesellschaft, deren Vorteile in Anspruch zu nehmen sie sich nicht zu gut sind.

Der Tag, an dem meine Bank …

…es versuchte, aber nicht wirklich erfolgreich damit war.

Ich gebe zu, dass ich ein Kurz-vor-knapp-Rechnungsbezahler bin. Was ja nicht verwerflich ist. Aber dann darf halt nix dazwischen kommen, was diesmal der Fall war.

Dank Corona ist es ja oft nicht möglich, Überweisungen direkt zum Schalter zu bringen, weshalb ich mein Formular in den Briefkasten warf und – wie mir einfiel – nicht zum ersten Mal ein paar Tage später die Mitteilung bekam, irgend etwas sei da nicht richtig gewesen. Beim letzten Mal war ich noch selbstkritisch und gestand mir zu, dass da eine Zahl nicht so ganz und total korrekt geschrieben gewesen ist. Weswegen ich die Kritik schluckte und den Beleg noch einmal in Superschönschrift ausfüllte.

Dieses Mal aber reagierte ich nicht nur säuerlich, sondern suchte auch vergeblich den Fehler. Besonders, als mir mein Kontoauszug mitteilte, dass dieser vergebliche Versuch mich 2,75 Euro kostet. Kein Fehler und trotzdem 5,50 DM? (Is so! Ich hab die Umrechnungsmaschine noch im Kopf.) Ich erinnerte mich, das anlässlich des letzten Fehlversuches meine Lieblingsbänkerin gesagt hatte, die Überweisungen würden nurmehr von Maschinen ausgeführt. Was man heutzutage wohl so hinnehmen muss.

Und ich erlebte heute angesichts meiner persönlichen Vorsprache, dass zwei Bänkerinnen minutenlang vergeblich den Fehler suchten bis die Eine darauf kam, dass es an dieser einen nicht ganz korrekt aussehenden „1“ liegen könne. Worauf hin ich feststellte, dass ich, wenn Überweisungen nur noch bei total korrekter Schrift gehen, einen Zuschuss für einen Schönschreibkurs von meiner Bank benötige und mich überdies frage, wie Alte und Behinderte mit nicht so ganz sicherer Schrift überhaupt noch Überweisungen aufgeben können. Ich fragte, ob da wirklich kein Mensch mehr drauf schaut, wenn die Maschinen es nicht lesen können. Und, nein, dem sei nicht so, teilte mir die Bänkerin mit, die mich auf meine Frage, wie es denn nun weiter gehe, denn auch nach Minuten der Suche hatten sie nicht gefunden, weshalb die Maschine meine Überweisung auszuführen nicht imstande gewesen ist, auf ihre noch nicht ganz abgeschlossene Suche und einen späteren Anruf verwies.

Den ich, dem Herrgott sei`s getrommelt und gepfiffen, tatsächlich auch heute noch erhielt.

Man verstünde nicht, was der Computer da gelesen und verworfen habe. (Er habe einen rechten Scheißendreck gemacht.) Und natürlich erhielte ich meine zweifünfundsiebzig wieder. Und es täte ihnen leid, auch dass man das Protokoll des Beschwerdemanagements vernachlässigt und mir nicht gleich die entsprechenden Formulare mitgegeben hätte.

Mea Culpa, mea culpa usf.

In Wahrheit, denke ich, ist das ein Versuch auszuprobieren, was alles zu tun möglich ist. Lassen die Leute es sich gefallen, ok, dann zahlen sie halt und man hat eine neue Geldquelle erschlossen. Jene, die sich aufregen, werden kein Teil des Systems.

ABER … MAN KANN ES JA VERSUCHEN.

Beim ersten Mal …

… da tuts noch weh. Da gabs mal so ein blödes Lied aus Mutters Urzeiten.

Da hab ich mir erst Jahrzehnte später Gedanken drüber gemacht und war erstaunt, dass solche Schweinigeleien zu Mutters Zeiten (nächstes Jahr wäre sie Hundert geworden) schon möglich zu singen waren. Aber man unterschätze die Altvorderen nicht.

Und sowieso hat das nichts mit dem zu tun, was mir gerade durch den Kopf geht. Fiel mir bloß zum Thema ein.

Beim ersten Mal, wollte ich sagen, kapiert man ja oft so vieles nicht. Man (frau auch) muss sich oft Zeit nehmen, die Dinge zu verstehe und zu verinnerlichen.

So ging es mir (und natürlich nicht zum ersten Mal) gerade eben. Weil dieser Achmed, Mohammad oder wie auch immer mir mein Netflix-Profil ja zerschossen hatte und ich noch einmal von vorn anfangen musste. Entweder ist Netflix nicht blöd oder aber ich bin ziemlich einfach gestrickt, denn nach den ersten ausgesuchten Sachen bot mir Netflix andere an, die ich (das wusste N. wegen des verlorenen Profils ja nicht) schon einmal gesehen hatte und die mir wirklich gefielen. Wobei das Eine ja das Andere nicht ausschließt resp. das Eine das Andere bedingt, weil … hätte mir das Krams nicht gefallen, hätte ich es ja nicht angesehen.

So oder so kam mir dabei wieder „Sense8“ in die Finger, das ich nicht nur überhaupt, sondern gut in Erinnerung hatte. Und mir gerne noch einmal ansah. Nicht zuletzt, weil die Macher jene gewesen waren, die dermaleinst für MATRIX verantwortlich waren.

Wir vergessen schnell, dass Filmemacher auch ein eigenes, zuweilen nicht unkompliziertes, Leben haben. Und nehmen sie nur wahr als die Schöpfer von irgendetwas, das uns beeindruckte oder eben nicht.

Die Wachowskis, einstmals Brüder, sind inzwischen Schwestern, weil sie beide ihre weibliche Seite entdeckt und in die Welt gebracht haben. Mit Jahren zeitlichem Abstand. Lana (* 1965) trat damit forscher auf und keiner, der sie heute sieht, wird einen Gedanken daran verschwenden, dass sie etwas Anderes als eine Frau sein könnte. Lilly (*1967) muss noch ein wenig üben und an ihrer Geschlechteranpassung arbeiten. Aber – wer weiß? – vielleicht wird sie dermaleinst genauso auferstehen wie ihre Schwester. Es ist ein Prozess.

Was das mit „Sense8“ zu tun hat?

„Sense8“ ist eine mystische, scifi-mäßige und auch visionäre Geschichte über das, was Menschen einmal sein können. Wenn sie Verbindungen zueinander haben, die über das heute bekannte Maß hinaus gehen.

Welche Stärken sie dabei entwickeln können, aber auch welche Schwächen ihnen das womöglich beschert.

„Sense8“ ist damit auch und ganz besonders eine Serien über die Liebe. Liebe in all ihren Variationen. Hetero, schwul, lesbisch, polyamorös. Und auch darüber, welche Folgen Abweichungen vom heterosexuellen „Normalmaß“ im Alltag und für die berufliche Karriere haben können.

Beim ersten Anschauen war mir das gar nicht aufgefallen, gebe ich zu.

Da hatte ich nur die spannende Story verfolgt und die z.T. sehr offenherzigen Liebesszenen als Teil der sehr spannenden Handlung aufgenommen.

Nicht einmal den Umstand, dass Netflix das Projekt mit Gewalt ausbremste, erkannte ich als das, was es war: Ein Zugeständnis an prüde, nicht-heterosexuell abgeneigten Zusehern, die sich wohl „verletzt“ gefühlt haben mochten.

Die Wachowskis haben eine Fangemeinde, die den Abbruch der Serie hochgradig bedauerten, so dass jene in einem Finalfilm ihre Geschichte zu Ende bringen konnten.

Inzwischen sind sie nicht zerstritten, aber auf verschiedenen Wegen. Lana, in sich gefestigter, denkt über MATRIX4 nach. Lilly arbeitet noch ihre Metamorphose auf. Das Studio, in dem sie ihre großen Filme machten, wird/ wurde inzwischen für den Peanuts-Preis von 5 Millionen Dollar angeboten. (Keine Ahnung, ob es verkauft wurde und an wen.)

Die Darsteller im Projekt „Sense8“ schwärmen, obwohl im Jahr 5-6 danach, vermutlich noch immer davon. Die ganze Crew flog damals an die jeweiligen Drehorte in der ganzen Welt. Es war wie wie die Weltreise einer riesigen Familie. Und man merkte ihnen an, dass das eine enorme Verbindung zwischen ihnen schuf.

Ich aber frage mich, ob diese OUTINGS welcher Art auch immer tatsächlich imstande sein können, Karrieren von hochgradig begabten Menschen welchen Geschlechts, welcher Sexualität etc. auch immer zu blockieren, auszubremsen und zu beenden.

Täusche dich nicht!

Es begann gestern. Ich hatte (jaja, elendigliche Schlampigkeit!) am Vorabend gemerkt, dass eine meiner Handvoll Tabletten alle war und deswegen gezwungenermaßen beschlossen, zum Rezepterwerb zum Arzt zu gehen. Was ich dann eben gestern tat.

Das Wetter war nicht unbedingt schön, auf dem Heimweg regnete es sogar, aber dennoch fühlte ich mich so beschwingt, dass ich auf dem Heimweg einige Lebensmittel-Lusteinkäufe machte. (Ich führe das jetzt nicht weiter aus.) Mein Herz, das letzthin zunehmend unfroh war und mir sogar (was ich seit Jahrzehnten nicht erlebte) äußerst unschöne Träume beschert hatte, hüpfte freudig auf und meine Energielosigkeit schien verschwunden. Ich hatte das Gefühl, Bäume ausreißen zu können wie früher.

Ok., irgendwann machte mich dieser Überschwang von Energie dann doch müde. Aber da war es schon Abend. Und dann ist es ja in Ordnung.

Heute früh stand ich an der Balkontür, sah die rosa-orange abgetönten Wolken an der Westseite des Horizonts und verspürte ein dringendes Verlangen, meine Schwester via Handy über diese total schöne Himmelslage zu informieren. Was für junge Menschen ja vielleicht nichts Besonderes ist, während ich mein Handy brav im Arbeitszimmer ablege, weil ich sonst beinahe nur dienstlich damit hantiere. Dieser Schnickschnack interessiert mich schlicht nicht.

Den ganzen Tag über schien die Sonne, was ich schön und gleichzeitig ärgerlich fand, weil ich auf den für die Nachbarn bestellten Kühlschrank warten musste und nicht raus konnte. Aber nachmittags um Drei, als er dann endlich kam, schien die Sonne immer noch und ich stürmte nach draußen. Wo ich den Eindruck hatte, dass die Luft schon ganz anders riecht.

Bei meiner Rückkehr zeigten mir die Nachbarn, wie sie ihren knallroten Kühlschrank verfrachtet hatten und gemeinsam beseitigten wir die kleinen Probleme, tranken hernach Kaffee zusammen und dazu einen winzig kleinen original russischen Wodka. Ich beschloss, die fehlende Stunde des heutigen Tages auf Gutzeit abzuschreiben.

Während ich ein weiteres Mal auf dem Balkon stand, sah ich am Horizont Vogelschwärme umeinander kreisen. Ob es Stare waren wie in Rom, vermochte ich aus der Entfernung nicht zu erkennen. Jedenfalls waren es nicht so viele. Und doch reichten sie aus, um mir klar zu machen, dass das, was mich da so beflügelt, nicht der russische Wodka, sondern der aufkeimende Frühling ist.

Zum Wochenende sind Minus 8 Grad angesagt.

Pfeif drauf!

Das Schlimmste ist vorbei.

Im Land des Lächelns

Ich gehörte nicht zu den Kindern, die sich mit dem Lesenlernen schwer taten. Im Gegenteil konnte ich es gar nicht erwarten, Zugang zu dieser Welt zu bekommen, die den Rest meiner Familie über wesentliche Teile ihrer Zeit so beschäftigte.

Und sobald ich es konnte, las ich viel. Die Bibliothekarin, zu der mich meine Mutter mitnahm, sobald die zu Hause vorhandenen Bücher nicht mehr ausreichten, zweifelte anfangs, dass die vier Wochen Ausleihfrist reichen würden für die Stapel, die ich ihr jeweils vor die Nase packte. Aber wir bekamen nie ein Problem miteinander.

So waren Geschenktage (Geburtstag und Weihnacht) für mich nur dann perfekt, wenn ich Bücher geschenkt bekam, mit denen ich mich so bald als möglich in irgendeine Ecke zurückziehen konnte.

An diesem einen Weihnachten kam meine Großmutter, die mir beileibe nicht so nahe stand, wie man es sich von Omas wünschen würde, und schenkte mir Bücher aus der Kränzchenbibliothek. Es war, denke ich, das erste Mal, dass ich mit alter Schrift (Fraktur? Jules hilf!) zu tun hatte. Und ich kann mich nicht an großartige Schwierigkeiten damit erinnern, obwohl ich später hörte, dass andere DAS nicht lesen könnten. Die Druckschrift zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ja immerhin so viel leichter als dieses Sütterlin, von dem meine Mutter gelegentlich sprach. Ein paar Zeichen muteten merkwürdig an, ihr Sinn jedoch ergab sich meist so schnell, dass ich darüber nicht groß nachdachte.

Als kleines Mädchen, ich war, denke ich, neun oder zehn, denkt man nicht sonderlich darüber nach, wie anders die in den Büchern geschilderten Welten doch waren. Schließlich war die eigene auch noch ziemlich klein. Aber ich staunte, was Kind so erleben kann. Wenn es mit seiner Familie in andere Teile der Welt umzieht (Japan) oder in anderen Zeiten in Deutschland in einer armen Familie aufwächst. Ich erfuhr, was eine Rotunde ist, was einerseits bei Google heute nurmehr als architektonische Besonderheit aufgeführt wird, andererseits eine Website mit Damenmänteln aufploppen lässt.

Und nebenher bekam ich übermittelt, dass Kinder unbedingt gehorsam zu sein hatten, was ich mit meiner eigenen Denk- und Erfahrungswelt nicht unbedingt in Einklang bringen konnte. Wir waren anders erzogen, stießen uns aber nicht daran, dass es irgendwann anders als bei uns gewesen ist.

Insofern lernten wir mehr Toleranz als ich es unserer heutigen Zeit zuschreibe, wo jeder meint, die Dinge müssten so sein, wie sie seiner Erfahrungswelt entsprechen.

Kurzum: Ich lernte durch diese alten Bücher, dass es andere Zeiten und andere Welten gibt und gab, wodurch die meine nicht einbrechen muss. Und ich empfand diese Erfahrung durchaus als Reichtum, denn wer, bitteschön, hat sich mit neun oder zehn Jahren (auch heute) schon intensiv Gedanken über so ein Land wie Japan beispielsweise gemacht?

Später war ich via Kinderbuch in Timbuktu und erfuhr vom Islam und Ländern, über die wir uns erst heute so richtig Gedanken machen. Ich war nicht sehr mutig, weshalb ich nicht überall hin wollte, aber dieser Islam interessierte mich schon. Heute kann frau ja niemandem mehr sagen, dass man vor 50 Jahren darüber nachdachte, Muslima zu werden. Dabei fand ich diese Religion durchaus erstrebenswert und sah auch keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen in dieser Hinsicht. Der damals vielleicht (wenn man sich so die islamischen Länder von damals betrachtet) auch gar nicht bestand.

Wir haben unser Bild von den Dingen und nehmen das mit in unsere alltägliche Betrachtung. Ob die oder das richtig sind und stimmen; wer weiß das schon? Aber wir sollten immer in Betracht ziehen, dass wir nicht alles wissen.

Inzwischen lese auch ich nicht mehr so viel. Nicht nur, weil ich ein paar Jahre lang Augenprobleme hatte, sondern auch, weil es viel angenehmer ist, zu schauen oder mindestens sich vorlesen zu lassen.

Vor einiger Zeit hörte ich ein Buch, in dem (was zu meinem Interesse für das Weltall passt) Menschen hinaus geflogen sind bis an den Rand unseres Sonnensystems. Und dann nicht weiter kamen.

Schließlich nahm eine außerirdische Intelligenz mit den Raumfahrern Kontakt auf und erklärte ihnen, dass alles, was sie sähen bzw. zu sehen glaubten, eine Illusion sei. Geschaffen von Außerirdischen, die darauf achteten, dass neue Zivilisationen all diesen anderen Galaxien keinen Schaden zufügen könnten.

Daran muss ich manchmal denken, wenn ich sehe, wie sehr sich unser Bild vom Kosmos in den letzten Jahren geändert hat.

Wir wissen gar nichts, denke ich dann, und im nächsten Jahrzehnt kann alles schon wieder ganz anders ausgedeutet werden. Aber wir werden nie aufhören, nach der Wahrheit zu suchen.

Bonjour Jack!

Neuerdings bekomme ich die Menge Mails, in denen ich mit „Jack“ angeredet werde. So heiße ich nicht, ist klar. Aber ich betrachte diese Mails als vollen Erfolg.

Denn sie zeigen, dass Jack, der vielleicht Rachid oder Mustapha heißt, ein wenig verzweifelt ist.

Anfangs, ich gebe es zu, bin ich ähnlich blöd gewesen wie Rachid oder Mustapha, der mein Netflix-Konto geknackt hatte. Ich meinte, eine Passwort-Änderung würde reichen. Mit meiner Mail-Adresse hatte er zwar die Tür zu meinem Konto halb durchschritten. Aber so ein Kennwort, dachte ich, kriegt man ja nicht so ohne weiteres heraus. Vielleicht jemand, der mich kennt und weiß, wie ich ticke. Aber nein. Inzwischen erfuhr ich, dass man Handys zusammenschalten und ein Programm für sich arbeiten lassen kann, welches innerhalb von längstens 48 Stunden (meistens schneller) das Kennwort rauskriegt.

Und ja, zu Beginn der Woche, als ich nur das Kennwort geändert hatte, wusste Rachid oder … meine Mail-Adresse immer noch. Nachdem mein Konto wieder … hatte ich, was ich auf anderen Plattformen inzwischen längst getan hatte, meine neu erworbene Mail-Adresse über die Hotline dort einsetzen lassen.

Ich erzählte meiner Tochter davon und was ich im Zuge dessen herausbekommen hatte: Jack, äh … Hassan oder wer hatte nicht nur mein Netflix-Konto besetzt, sondern auch 4 Freunde mit hinein genommen, Freunde aus drei verschiedenen marokkanischen Provinzen, und seine Telefon-Nummer zur Wiederherstellung genutzt, die er gegen meine austauschte.

Meine Tochter bewunderte mich ob meiner Fähigkeiten, was mir ja wirklich gefällt. Sie selbst, meint sie, hat nicht so viel Ahnung von Computern. Ja, ne, ich auch nicht. Aber als mich die Dame an der Service-Hotline dazu ermutigte, mir mein Profil anzusehen und zu prüfen, stellte ich so dies und das fest. Und wenn frau einmal angefangen hat, Nachforschungen anzustellen, kann sie manches herausfinden. Das Ganze nennt sich lernen durch Schmerz.

Zum Beispiel, dass Achmed oder so zwar clever genug ist, mit geklauten Mails etc. irgendwo virtuell einzubrechen, nicht aber einzusehen, wann er verloren hat. Dass ich seither Phising-Mails die Menge kriege, versteht sich von selbst. Aber – sollte ich wirklich einmal diesen Fehler begangen haben – nicht noch mal. Immerhin freut es mich diebisch, dass diese „Bonjour Jack“-Mails alle an meine alte Mailadressen gehen. Das heißt, Jack hat noch nicht verstanden.

Nicht einmal, dass er auf seine – vergeblichen – Anmelde- und Wiederherstellungsversuche neuerdings Nachrichten mit sich tot lachenden Smileys auf sein Handy kriegt. Und, nein, da mein Handy grundsätzlich auf „anonym“ gestellt ist, streue ich damit keine neue Datenspur.

Oder doch?

Idioten!

An erster Stelle steht Muhamad. Und das nicht etwa wegen der offenkundig nicht-deutschen Herkunft (nicht, dass mir jemand Rassismus vorwirft), sondern weil er eben doof ist. Genauso übrigens wie Alekseij und wie die dummen Jungs alle heißen.

Denn wie sagte schon Einstein?:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ 

Und genau DAS tun diese Knaben, die schon seit Tagen immer wieder versuchen, in mein Amazon-Konto einzubrechen. Was nicht schwer ist, wenn man die e-Mail-Adresse von jemandem kennt. Schwieriger ist es, das Kennwort heraus zu kriegen (Aber wie mir der Techniker von Netflix erklärte, ist auch das heute kein Problem mehr. Sie hängen da eine Maschine dran, die alles Mögliche ausprobiert, bis es klappt.

Ach, das hatte ich noch gar nicht gesagt? Mein Netflix hatten die oder ein paar Andere dieser Tage auch gekapert. Oder war es mein Mailkonto, über das ja schließlich alles läuft? Als eins von diesen Mistkerlen an meinem Konto rumfummelte, WÄHREND ich mit dem Techniker sprach und er diese Dreistigkeit auch nicht unterbinden konnte, riet der mir … Ne, sag ich nicht! Nicht, dass die auch noch meine Blogs lesen.

Und, da wir einmal dabei sind: Mein Facebook-Konto haben sie auch attackiert. Wobei ich mich ja frage, was man damit anfangen kann. Ich selbst fange damit ja nur noch selten was an. Und wenn´s mir zu blöde wird, bei jeder dieser Unsinns-Attacken mein Kennwort ändern zu müssen, dann mache ich den Laden einfach dicht.)

Aber wo waren wir? Amazon. Klappt nie, weil Amazon zwar alle Bestellungen auf ein geknacktes Konto erst einmal aufnimmt, aber dann bei Änderung der Lieferanschrift eine Verifizierung des Zahlungsweges anfordert. Und wenn die nicht kommt, wird die Bestellung storniert.

Gleichwohl konnte ich sehen, dass Muhamad gern auf meine Kosten einen Kopfhörer, silberne (!) Zahnstocher (gell, da hat man doch gleich ein Bild von jemandem im Kopf) und zur Krönung ein I-Phone für umme 1300,00 Euro bestellt hätte. Hat nicht geklappt, weil ich gleich nach dem Gespräch mit Netflix auch bei Amazon nachgeschaut habe, die die Bestellung bereits storniert hatten. Was ich vorfand (und deswegen das Einstein-Zitat) war eine weitere I-Phon-Bestellung, als wäre Muhamad spontan eine Idee gekommen, wie er die Zahlungsweg-Hürde noch überwinden könnte.

Die Service-Dame von Amazon übrigens, mit der ich folglich auch noch telefonieren musste, war ihr Geld nicht wert. Nicht, weil ich etwas gegen Asiatinnen habe, sondern, weil man an einem Service-Telefon schon die Landessprache beherrschen sollte. Sie jedoch verstand erst beim vierten(!) Mal, dass der Einbruch im Konto schon stattgefunden hatte. Und wollte dann sofort(!) das Konto sperren lassen. Was nicht geschehen ist, jedenfalls nicht sofort. Und als ich heute für die Nachbarin, die im Internet nicht so fit ist, etwas bestellen wollte, hats nicht funktioniert (was man mir aber auch erst nach erfolgter Bestellung mitteilte), weil der Zahlungsweg nicht funktioniert.

Immerhin habe ich Muhamads Anschrift. Aber wie ich feststellte, nicht die seiner Wohnung, sondern die eines Hermes-Shops, der an eine In- und Exportfirma von und nach China und der Tschechei angeschlossen ist und ausnehmend miese Beurteilungen hat. Was übrigens erklärt, warum die „Besteller“ wahlweise Muhamad oder Alekseij oder sonstwie heißen. Laut diesen sich in über einem Jahr angesammelt habenden immerhin 32 (jetzt 33) Bewertungen knacken die Herrschaften Paypal-Konten, bescheißen bei eBay, bestellen sonstwo und lassen die Rechnungen den jeweiligen Konteninhabern zukommen undundund. Mehrere Bewerter hatten bereits Anzeigen aufgegeben, andere bekundeten die Absicht hierzu. Jedenfalls dürften sich schon einige Anzeigen angesammelt haben, so dass es schwer nachvollziehbar ist, warum da die Juristerei noch nicht zugeschlagen hat.

Auf meinen Versuch einer Anzeige bei der örtlichen Polizei (natürlich geht man heutzutage nicht hin, sondern ruft an) säuselt beruhigende Musik vom Band, minutenlang. Keine Ansage, wo man gelandet ist, keine freundliche Stimme, die einem irgendwelche nützlichen Ratschläge gibt („Wenn Sie gerade mit der Waffe bedroht werden, legen Sie nicht auf.“), kein irgendwie gar nichts. Also … ich hab jetzt nicht die 110 angerufen, aber ein bisschen mehr Ansprechbarkeit hätte ich mir dann schon gewünscht. Schließlich weiß ich, dass bei denen Tag und Nacht Licht brennt.

Letztlich suchte ich mir eine Mailadresse raus. irgendwas mit Cyber-Dings, woraufhin ich umgehend die Antwort bekam, dass die Angeschriebene sich „dauerhaft dienstlich im Ausland“ befinde (FBI-Cyber?) und ich mich da und dorthin wenden möge. Was ich dank Kopierfunktion auch schnell tat und gleich morgens bei Arbeitsbeginn die Mitteilung bekam, das meine Mail jetzt wieder am Wohnort vorliege, wohin ich doch bitte meine Anzeige und die Beweismittel richten möge.

Ich hatte eigentlich nur gefragt, ob es überhaupt sinnvoll wäre, eine Anzeige zu erstatten, da in einem Jahr ja offenbar noch nichts passiert sei.

Ich habe jetzt, ich weiß nicht, wie oft, meine Kennwörter an allen möglichen Fronten gefühlte hundert Mal geändert, weil die Idioten immer wieder versuchen, in meine Konten hinein zu kommen. Und jedes Mal, wenn ein versuchter Zugriff von einem fremden Standort stattfindet, teilen die Provider mir mit, dass so was versucht wurde und mein Konto gesperrt ist. Und erst, wenn ich mein Kennwort geändert habe …, was ich dann auch tue, um an der nächsten Ecke … eh schon wissen.

Außer einer Menge Ärger für mich hatte Muhamad keinerlei Gewinn davon.

Irgendwann fahre ich nach Sachsen, setze mich vor das Haus Hauptstraße 20 in Ebersbach-Neugersdorf (da war ich mal im Ferienlager) PLZ 02727 und schnappe mir M.Gilang oder wer auch immer aus dieser Firma Tiptrans rauskommt. Und, glaubt mir!, wenn ich Wut habe, bin ich zehn Zentner schwer!

Du kennst mich nicht!

Die Welt besteht aus Schubladen. Die machen es einfacher, sich auszukennen.

Und die Welt besteht aus Algorithmen, die Daten sammeln, damit sie mehr und mehr Informationen über mich bekommen.

Und mich somit zu kennen glauben.

Wenn also mein Sohn und ich im Netz den gleichen Suchbegriff eingeben, finden wir durchaus nicht das Gleiche, weil die Ergebnisse nach dem zusammen gestellt werden, was die jeweiligen Plattformen an Informationen über meinen Sohn und mich zusammen gestellt haben und über uns zu wissen glauben.

Ich bin mir dieser Tatsache durchaus bewusst, weshalb ich gelegentlich auf einschlägigen Verkaufs- und Suchplattformen völlig unsinnige Suchbegriffe eingebe, um die Maschine zu verwirren.

Tatsächlich wurden mir nach der Suche von Angelschnur (die für allerhand andere Zwecke auch nutzbar ist) schon ein ganzes Arsenal an Anglerzubehör empfohlen (erstaunlich, was das Zeugs kostet!) und bei der Suche nach der (natürlich schädlichen!) Wirkung von Cannabis erhielt ich sowohl hilfreiche Handreichungen für den Eigenanbau, als auch Adressen von holländischen Online-Händlern, die (natürlich ganz diskret) mir das entsprechende Saatgut zur Verfügung stellen. (Was die bloß von mir denken?)

Soweit so amüsant. Gerade heutzutage, wo wir so viel Ausgang dann auch nicht haben, ist es ja durchaus hilfreich, wenn wir im Netz sowohl Informationen, als auch Spaß bekommen. Schließlich möchte man nicht immer nur Katzenvideos sehen.

Verärgert aber bin ich darüber, dass der Algorithmus meines Hörbuchverlages so wenig lernfähig ist.

Genau genommen würde ich ihn einfach als dumm bezeichnen. Denn wie anders soll man es auffassen, wenn diese blöde Kiste mir auf meiner Startseite (und immerhin habe ich jeden Monat ein neues Guthaben zu vergeben) immer nur auf die Autoren Bezug nimmt, die ich irgendwann schon mal bestellt habe? Wie einfallslos ist das denn? (Also gut, nicht ganz so einfallslos wie dunnemals die Schwiegermutter, die den Kindern kratzende selbstgestrickte Pullover schenkte, die die armer Dinger immer dann anziehen mussten, wenn die Oma mal zu Besuch kam.)

Dabei würde ich mich gern mal überraschen lassen, vielleicht mal irgend etwas ganz, ganz anderes lesen resp. hören. Ich wäre vielleicht begeistert und total inspiriert. Vielleicht würden sich für mich vollkommen neue Welten eröffnen?

Neulich in einer A***zon-Frage teilte ein Kunde mit, dass er dieses Produkt erhalten habe, obwohl er es gar nicht bestellte. Natürlich ist das keine Frage. Eher so ein Ausdruck von Ratlosigkeit, auf den man nicht wirklich antworten kann. Dennoch erhielt der Fragesteller eine Antwort, die da lautete, er habe vielleicht das Peter-Problem, was ein Witz für Eingeweihte ist und eines von den Büchern betrifft, die ich auch schon bestellte.

https://diezukunft.de/review/buch/haben-wir-nicht-alle-peters-problem

Auch Peter erhielt ein Produkt, das er nicht bestellt hatte, weil in seiner Welt der Handel eben so läuft. Immer beobachtet, erhältst du ohne jegliche Bestellmodalitäten mittels Drohne das geliefert, was der Algorithmus glaubt, das du gerade haben willst oder brauchst.

Ich schätze, da müssen unsere heutigen Algorithmen noch einiges lernen. Aber bei diesem einen Mal war Peter dann auch nicht zufrieden. Im Gegenteil.

Geträumt

Heute Nacht. Intensiv, fast lebensecht, und scheinbar stundenlang. Von jeder Menge Menschen, die in mir ein Wohlgefühl auslösten.

Wieder wach geworden, wurde ich gewahr, dass mindestens die Hälfte von ihnen bereits tot ist.

Und ich fragte mich, wie es wohl sein wird, wenn ich Achtzig und älter bin.

Träume ich dann noch?

Und wie wird es sich anfühlen festzustellen, dass beinahe alle tot sind?

Der Halbgare berichtete heute, er habe mit seiner Großmutter telefoniert (87), die nicht erst seit heute dazu neigt, sich ihre Welt so zurecht zu legen, dass sie gut damit klar kommt.

In meinem Traum kam die nicht vor. Aus gutem Grund und Gottseidank. er wäre dann weniger gut gewesen.