14022015

Legenden (ein mädchenblog)

ich mag chanel nicht, auch nicht nr.5.  ich mag nicht dieses theater um das kleine schwarze. (das kleine schwarze aber mag ich sehr.) und ich mag den karl nicht. den am allerwenigsten. seine geriertheit, seine hohen kragen (die doch nur ein meer von flatterfalten am hals verbergen sollen.), seine art, „mädchen“ zu forcieren und irgendwann fallen zu lassen.

all das mag ich nicht.

aber ich mag diese damen ganz da oben unter den dächern von paris. die die stoffe streicheln, auch wenn es nur panneésamt ist statt richtiger (der liegt; richtiger steht). die noch in handarbeit sticheln, schicht um schicht. die glauben an eine bessere modewelt. (auch wenn das zeugs nur tragbar ist für größe 36) ich mag diese damen, die weitaus älter sind als karl es jemals bei seinen modells dulden würde. die tragen selbst eher größe 42 bis 44. aber sie können, was sie können, weshalb der karl auf sie nicht verzichten kann. und sie beherrschen ihr geschäft, eben weil sie älter sind als die damen später auf dem catwalk. ihr tun hat bestand. im gegensatz zu dem der dann eben nicht mehr ganz so schönen.

ich mag es, dass eben diese nicht mehr ganz jungen und ganz gewiss nicht so schönen damen so sehr glauben an das, was sie tun, dass sie aufgehen in ihrem tun, auf schlaf verzichten und so voller begeisterung sind.

denn die wahrhaftigkeit ihres tuns trägt sie über die jugend und schönheit hinweg.

da kann man von karl und chanel halten was man will.

12022015

PH = √ (e2 + ve2)(d2) + (cg + dr)2 + π …

nein, ich bin NICHT unter die wissenschaftler geraten.
vielmehr war ich auf der suche nach meinungen.
zu gepflogenheiten des alltags.
und der frage:
richtig oder falsch?

Problem:
als mensch, der täglich mit allerhand anderen zu tun hat, frage ich mich, gerade jetzt in der erkältungszeit, hände schütteln oder nicht?
und ich lese da, dass dies in unserem kulturkreis eine vertrauensbildende geste ist. erfahre darüber hinaus, dass ein händedruck über sympathie und antipathie entscheiden kann, dass hände drücken – eingebildet oder echt – informationen über den charakter des gegenübers liefert. zudem erfahre ich, dass warme oder kalte hände zu jeweils anderen entscheidungen führen und ein händedruck geschäftliche verhandlungen fairer macht.

so weit, so gut.
und wie ist es nun mit dem infektionsrisiko?
das, klar, vergrößert sich immens. nicht nur durch erkältungen, sondern auch durch menschen, die nach dem toilettenbesuch keine hände waschen (immerhin zwei drittel der männer und immernoch ein drittel der frauen). ich selbst kenne eine, die ihr nicht-hände-waschen mit den keimen am wasserhahn begründet. die toilettentür fasst sie allerdings ohne bedenken an. :/
bei meiner recherche stoße ich auf berichte von amerikanischen politikern, die im wahlkampf massenhaft hände schütteln (wir erinnern uns an die vertrauensbildung! der rekord liegt übrigens bei 1200 hand-shakes in einer stunde.), um hernach in einem unbeobachteten moment ihr allzeit bereites desinfektionsmittel zu zücken. dass sie dabei krankheiten unter ihrem wahlvolk verteilten, spielt angesichts des gebildeten vertrauens eine untergeordnete rolle.
und ich erfahre, dass tierärzte dazu übergehen, kleinere chirurgische eingriffe im häuslichen umfeld vorzunehmen. denn die keime zu hause (die es -natürlich! – trotz aller sauberkeit gibt) seien die tiere gewöhnt. die gefahr von wundinfektionen sinke hierdurch ganz erheblich.

und jetzt habe ich den salat:
entscheide ich mich nun für vertrauensbildung oder für infektionsreduzierung?

die formel da oben ist übrigens die für den idealen hände druck. 😉

11022015

du kannst die vergangenheit nicht ändern

… ist die erkenntnis der heutigen zeit. gedanklich spielen wir die sache mit der einstein-rosen-brücke durch und landen bei einer jungfrau: gucken (in die vergangenheit), ja,  aber nicht anfassen oder gar ändern.

die vergangenheit also eine jungfrau? (und das meine ich eher mental, denn wir sind natürlich alles andere als jungfräulich.) und doch verändert sie sich ja, täglich. indem wie an ihr „arbeiten“, sie stück um stück vergessen oder umschreiben.

war die kindheit nun schön oder eher nicht? (haben wir das nicht-schöne nur verdrängt?)

oder – andersrum – haben jene, die ihre schwere kindheit beklagen, nur die schönen momente in den hintergrund gerückt?

das gleiche mit der ersten liebe, dem kinderkriegen (da, zum glück!, vergessen wir sehr rasch. andernfalls bekämen nur sehr wenige frauen mehr als eines.), trennung, tod.

vergessen, verdrängt? oder tatsächlich verarbeitet? im eigenen kopf zum besseren gewendet. wie auch immer dieses kunststück zu bewerkstelligen ist.

du kannst die vergangenheit nicht ändern?

nicht die fakten.

aber die eigene sicht darauf.

gott sei dank.

(solche gedanken passieren mir, wenn ich – mit rockmusik auf den ohren – stundenlang im atelier stehe und versuche, wolken und schneehügel zu malen. und dann begegnet mir, völlig erschöpft, denzel washington im kampf gegen das, was schon passiert ist. der verstand ist ein seltsames ding.)

So Tage

es gibt so tage, an denen scheint alle welt verrückt zu sein. (mich selbst nehme ich da nicht aus.)

strahlender sonnenschein. die seele störts nicht, dass es dabei knitterkalt ist.
schon gar nicht, wenn zwischen einem selbst und der kälte da draussen wände und fenster sind.
die sonne immerhin kommt herein.
blendet ein bisschen, was man nach all den trüben tagen nicht gewöhnt ist.
es ist gut.
und sollte auf die stimmung wirken, irgendwie positiv, glaubt man.

stattdessen spielen die leute verrückt, sind überdreht. freundlich erst und doch auch schnell gereizt.
öfter als an vielen anderen tagen umgeben mich laute, ungeduldige worte.

„der mond“, sagt eine kollegin, „kann es nicht mehr sein. vollmond ist seit zwei tagen vorbei.“
und während sie weiter mutmaßt, zum glück nicht in meine richtung, gehe ich weiter und denke:
nicht der mond, die sonne vielleicht. vielleicht auch der wechsel zwischen hoch- und tiefdruck.
kopfschmerzen habe ich auch.

zum glück ist wochenende, nach einer arbeitswoche ausgereizt bis zur letzten minute.
kein ruhiger ausklang, sondern rotglühendes tempo bis zum letzten moment.

wild entschlossen, dieses wochenende nun endlich anfangen zu lassen, gehe ich einkaufen. nur das nötigste, nur das schönste. etwas zum abendbrot, ein paar getränke.
dann beim asiaten: mitnehmgerichte aus dem wok. endlich ein paar minuten wohliges nichtstun.
ich kann zusehn beim kochen und sehe die köchin die zutaten in den wok schaufeln. wenn es zischt und brodelt, schiebt sie die unterlippe nach vorn. ganz bei der sache.
ich währenddessen sitze hinter hohen scheiben in der sonne, muss lächeln über diese zarte kinderstimme, die aus dem hintergrund fröhlich zwitschert, merke, wie sich meine rückenmuskeln entspannen. am liebsten würde ich mich hinlegen, hier auf diese weiche lederbank, zwei tage lang nicht aufstehen und dieser stillen frau, die ganz bei sich ist, einfach nur zuschauen.

stattdessen weiter zum bäcker (kreppel) und dann zum eismann (vier kugeln im becher zum nachtisch).

als ich zu hause ankomme, ist sohni schon da. hat – wie früher – den müll runter gebracht und das geschirr weg geräumt. nimmt mir jetzt die taschen ab, deckt dann den tisch.

nach dem essen sagt er, er müsse mit mir reden. und ich denke, dass ich heute noch eine krise nicht vertrage.
stattdessen sagt er, dass er schon lange, lange zeit sagen wollte, wie leid ihm „diese sache“ vor ein paar jahren getan hat. „diese sache“, die ich nicht gerade vergessen habe, aber doch eingeordnet (zum verzeihen sah ich nichts; es war eben so.), diese sache spielt längst keine rolle mehr in meinem denken. ihn aber hat sie beschäftigt. und endlich hat er den mut gefunden, sie an- und auszusprechen.
ich beruhige ihn. am ende bleibt die hoffnung, dass es das war, auch für ihn, dass wir diese schublade zu machen können.
und der gedanke: nicht alle spielen heute verrückt. nicht alle …