Mittel

Der Mittelbraune sagt, dass er, wenn er aus seinem Tesla steigt, für einen Drogendealer gehalten wird.

Der Südsüdeuropäer sagt, dass er mit seinen (hellhäutigen) Kindern auf dem Spielplatz für deren Babysitter gehalten wird.

Ist das wirklich so?

Der Spot einer Kampagne für Antirassismus führt diese beiden Beispiele an.

Ich bin verwirrt. Ebenso wie vor ein paar Wochen als die Freundin meines Sohnes (seit 6 Jahren ist sie das) mich fragte, was ich von ihr als Farbiger halte.

Ups! Meine Schwiegertochter ist farbig?, sagte ich zu mir. Ist mir noch gar nicht aufgefallen.

In Wahrheit ist sie eher irgendwie mitteldunkel, was mir wurscht ist. Weil es nicht darauf ankommt, sondern darauf, wie gut sie mit meinem Sohn zusammen passt. Und das schätze ich für gut ein.

Wenn ich anfangen würde, das Äußere der Menschen in meinem Umfeld als Maßstab für deren Beurteilung zu nehmen, würden mir dicke, schiefzahnige, ungepflegte usw. ( gar nicht zu reden von charakterlichen Makeln) aber zuerst auffallen müssen.

Was sie nicht tun. Ebenso wenig wie Menschen, die nicht aus meiner Gegend kommen. (In Wahrheit komme ich nicht aus der Gegend der Menschen hier.)

Was ich nicht schätze, sind Menschen mit schlechtem Benehmen. Wenn da wer sagt (was letzthin hier mehrfach passiert ist): „Eij, isch mach dich ferdisch wie in Idar-Oberstein!“, dann ist mir egal, wie hell- oder dunkel- oder garnichtbraun jemand ist. So einer ist ein Arsch und kreuzgefährlich. Und gehört bestraft. Schon allein für die Androhung einer Sache, die durchzuziehen er vielleicht gar nicht vorhatte. Denn der Zugbegleiter, den so eine Ansage trifft, kann das nicht wissen.

Ich, und das, denke ich, sollten wir alle beachten, bin kein Rassist (und da ist kein „ABER“; ich bin es einfach nicht). Gleichwohl bin ich kein Freund der übergroßen Vorsicht, die ängstlich vermeidet, Anstoß zu erregen.

Wer nicht rassistisch angegangen werden will, soll die Spielregen einhalten.

Ich, ganz ehrlich, würde einen mittelhelldunklen Tesla-Fahrer erst einmal für gar nichts halten. Und einen südsüdeuropäischen Kinderbegleiter auf dem Spielplatz hielte ich für einen prima Vater. Und die Freundin meines Sohnes ist die junge Frau, die ihn glücklich macht. Sie hat eine Farbe? Ach nee.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s