Was wäre wenn …

… ich tatsächlich anfinge, auf dem Kopf zu stehen?

Also ( machen wir uns nichts vor!), mir war das früher als sehr junger Mensch schon suspekt. Hätte der liebe Gott (oder wer auch immer) gewollt, dass wir Kopf stehen, hätte er uns am Kopf mindestens Füße installiert.

Außerdem finde ich es höchst befremdlich, die Dinge auf eine Weise zu sehen, die mein Gehirn in Verwirrung bringt. Das nämlich, mein Gehirn, ist ziemlich starrsinnig, wenn es um Perspektiven und Horizonte geht. Im Gegensatz zu Fliegen beispielsweise, die recht gut damit klar kommen, an der Decke zu sitzen. Wenn man sie verjagen oder auch totklatschen möchte, reagieren sie genauso zuverlässig wie in der Ebene. Also dem, was ICH Ebene nenne. Ich weiß nicht, ob ich so fit wäre, wahrscheinlich nicht.

Trotz alledem war ich tief beeindruckt, meine um einiges ältere Schwester an einem dieser Besuchsmorgende (heißt das so?) mit ihrer Gymnastikmatte abziehen zu sehen. Ich weiß nicht so genau, WAS genau sie da getan hatte, aber sie HATTE etwas getan, was doch so viel mehr war als ich von mir behaupten kann.

Dieser Tage, wo ich sanft vom Resturlaub ins Rentnerdasein hinübergleite, habe ich so diesen und jenen Vorsatz, wohl wissend, dass ich eine träge Fliege bin unter all den regen Insekten. Sofern mich keiner jagt (womit in meiner Wohnung nicht zu rechnen ist), kann es sehr wohl sein, dass ich den Tag mit weniger als schlenkernden Armen verbringe. Irgendwie ist das Wetter ja auch immer falsch. Mal zu warm und mal zu kalt und mal zu …

Das Homeoffice in den zwei Jahren vorher hat meine Aktivität nun auch nicht gerade befördert.

Nicht, dass ich nicht gearbeitet hätte. Da im Gegenteil habe ich mich gewundert, wie andere Leute Schränke und sonstwas aufräumen konnten, wo sie doch ihrem Arbeitgeber etwas schuldeten (diese Dinge werde ich erst jetzt in Angriff nehmen), aber meine Bekleidungsgewohnheiten änderten sich auf eine Weise, die mich angesichts der letzthin aufkommenden diversen Feierlichkeiten glauben ließen, ich hätte ja gar nichts anzuziehen. Was natürlich nicht stimmte. Nur waren diese Normal- und Feinkleider irgendwo ganz hinten in den Fächern versackt, weil ich sie eben zwei Jahre lang nicht gebraucht hatte. Und, mal ehrlich, nachdem ich sie gefunden hatte … sie fühlten sich nicht sonderlich angenehm an.

Nie hätte ich gedacht, dass Jogginghosen mal meine Freunde sein könnten. Aber inzwischen sind sie es und ich besitze derer einige. Ohne sonderliche Scham im übrigen. Wie ich ja sowieso denke (und als Rentnerin in spé darf ich das), dass ich ab nun rumlaufen kann wie ich mag.

Was mich übrigens nicht daran hindert, einiges an schönen Textilideen zu haben.

Früher, vor dem Einschlafen, träumte ich von Bildern. Jetzt hingegen träume ich (wie schon einmal vor ein paar Jahrzehnten) von Kleiderschnitten der wildesten Art. Was mich tatsächlich beschäftigt. Denn Schneidern ist nicht allein ein Handwerk (wie so vieles andere), sondern auch ein logistisches Problem: Wann genau tut frau WAS, damit am Ende alles irgendwie richtig und cool ist? (In Wahrheit ist es bei der Malerei und vermutlich aller anderen Kreativität genauso.)

Das Rentnerdasein, konstatiere ich, findet also zuerst im Kopf statt. Wann tue ich was wie?

Und vielleicht (auch wenn ich nicht so genau weiß, was denn nun eigentlich meine Schwester auf dieser Matte getan hat oder noch tut) werde ich doch eines Morgens auf dem Kopf stehen. Obwohl es unnatürlich ist und sich komisch anfühlt. Einfach nur, um zu probieren, WIE es sich anfühlt.

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