„Ich komme!“

Dies ist, entgegen eventuell anderslautenden Erwartungen, kein Schmuddelblog, sondern eine ernst gemeinte wissenschaftliche Betrachtung.

Es geht um Medien und, ja, auch um Sex. Auch wenn man natürlich anders(wohin) kommen kann als im Bett.

Aber schon allein der Titel gebende Satz ist bezeichnend. Ich persönlich habe den noch nie ausgesprochen, finde es aber erstaunlich, dass Menschen in Filmen ihn bei ebendieser Gelegenheit so oft im Textbuch stehen haben.

Ich meine: Wem nützt diese Ankündigung? Entweder man ist im Gleichklang oder eben nicht. Oder handelt es sich dabei um eine Handreichung im Sinne von „Du kannst jetzt auch …“ oder eine Drohung („Wenn nicht jetzt, hast du Pech gehabt.“)

So oder so finde ich derlei Kommunikation wenig hilfreich. Und wenn man biologische Gegebenheiten betrachtet, hängt es ja auch sehr davon ab, WER von beiden diese Äußerung von sich gibt. Und letztlich auch davon, wie sehr man sich zugetan ist, eventuell fehlenden Gleichklang durch geschicktes Aufeinander-Eingehen am Ende doch noch auszugleichen.

So oder so finde ich diesen (und manch anderen) Satz durchaus entbehrlich, wie ich überhaupt der Darstellung der Sexualität im modernen Film mit Staunen begegne und mich frage, hat sich der Sex tatsächlich so verändert oder machen sich manche Dinge einfach dramaturgisch besser?

Zum Beispiel kann es ja sein, dass das Sich-Ausziehen eine entweder peinliche oder aber (zu) langwierige, vielleicht auch uninteressante Angelegenheit ist, so rein filmisch. Aber bedeutet das, dass nunmehr alle, die im Film miteinander Sex haben, wie die wilden Stiere übereinander herfallen und sich die gegenseitig die Kleider vom Leib reißen müssen? Mein Kleiderschrank würde davor auf Dauer kapitulieren, denn die Blusen und Hemden mit den ab- und eingerissenen Knöpfen kannst du hinterher wegschmeißen. Wie kommen die mit solch zerfetzten Klamotten wieder nach Hause? Denn dass man sich vor kurzem erst kennen gelernt hat, bedeutet ja, dass mindestens einer da nicht zu Hause ist.

Wie überhaupt kommt es zu diesem ganz plötzlichen Einverständnis, das im Grunde keinen Rückzieher zulässt? Manchmal haben die sich vor diesem Kleider-vom-Leib-reißen noch nicht einmal geküsst.

Wie zum Beispiel wäre es, wenn mann/frau beim Küssen feststellt, dass die/der ganz fürchterlich schmeckt und eigentlich diese Sache überhaupt nicht geht?

Aber gut, gehen wir davon aus, dass er/sie nicht furchtbar geschmeckt hat, es also keine quasi-Vergewaltigung war. Erstaunlicher Weise (gerne in amerikanischen Filmen) sieht man sie am Morgen selig aufwachen, meist frisch geschminkt (na gut, das muss im Film so, denn keiner will verschwiemelte Gesichter mit verschmiertem Make-up sehen), küssen sich alsogleich intensivst (da am Vorabend meist Alkohol im Spiel war und man wegen dieser Stier-Sache mit ungeputzten Zähnen auf den Laken landete, würde ich persönlich ja eine morgendliche Zahnpflege bevorzugen) und – siehe da! – entgegen anderslautenden Erwartungen haben sie die wichtigsten Kleidungsstücke (schon wieder/ immer noch) an. Nur selten, sieht man einen nackten Männerhintern oder eine unbekleidete weibliche Brust.

Wenn´s vor dem Schlafengehen so heiß herging, sollte man doch annehmen, dass sie in der Nacht nicht gefroren und sich deswegen angezogen haben. (In manchen Filmen, was ja vielleicht vorkommen mag, sind sie sogar währenddessen teilbekleidet. Sie stöhnen und ächzen vollkommen ekstatisch, kommen aber mit nur der aller nötigsten Nacktheit aus?)

Ich komme zu dem Resultat, dass ich entweder nichts vom modernen Film oder vom modernen Sex verstehe oder eben einfach nur zu alt bin für den Scheiß.

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