My Sweet Lord

Als sich die Beatles trennten, war ich 12 und vergoss bitterliche Tränen, weil ich glaubte, dass nie wieder jemand solch großartige Musik machen würde wie sie.

Jaja, ich weiß, mit 12 war ich eigentlich zu jung für solche Befindlichkeiten. Aber ich hatte große Geschwister, die schon in manchem Jahr zuvor diese Musik mit Begeisterung gehört und danach getanzt hatten.

Zum Glück kamen danach die Soloalben, die ganz anders, aber auch GUT waren.

Ich hörte sie an den Wochenenden, wenn mein Bruder, der zu Hause studierte, zu seiner Frau fuhr und das „Kinderzimmer“ für mich frei machte. Sein Kofferradio empfing den „Soldatensender“, der etwas von RIAS hatte, aber (wie wir später erfuhren) ostdeutsch war und nur zu bestimmten Zeiten sendete. Mitten in der Nacht. Was schwierig war, denn damals hatten wir noch keine Kopfhörer. Und natürlich schlief ich irgendwann ein und die Batterien waren am Morgen leer. Und der Bruder, nach dem Wochenende, schimpfte mörderisch.

Aber George Harrison, der bis dahin nie wirklich zur Geltung gekommen war, sang vom Herrn. Und zwar auf so schöne Weise, dass ich mich für Religionen zu interessieren begann. Für eine nicht unerhebliche Zeit.

Seither habe ich einiges gelesen aus mancherlei Religion. Und bin, sieht man einmal vom Buddhismus ab, der mir irgendwie am Schlüssigsten erscheint, noch immer ein unreligiöser, jedenfalls Gott-freier Mensch.

Dennoch ahne ich, welche Reise die Beatles in dieser Zeit gemacht haben. Auch sie waren, aus heutiger Sicht, nur wenige Jahre älter als ich, auf der Suche. Wie viele zur damaligen Zeit.

Ich weiß nicht, was sie gefunden haben. Ich kann sogar nur unbestimmt sagen, was ich gefunden habe.

Aber ich weiß inzwischen, dass wir alle suchen.

Wenn wir Glück haben, finden wir etwas, das uns gut tut.

Andere finden ihr Glück darin, gar nicht erst zu suchen, nicht in dieser Richtung.

Aber jedem sei irgend ein Glück gegönnt.

2 Gedanken zu “My Sweet Lord

  1. danke. am meisten gefällt mir am buddhismus die vorstellung, dass der gläubige mit jedem (gut) vollendeten leben eine oder mehrere stufen auf der (moralischen) leiter hinaufsteigt. bis er ganz oben angekommen ist. und dann wartet er … bis alle(!) nach ihm auch diese stufe erreicht haben, ehe er selbst hinauf zur vollendung geht.
    welch menschliche größe steckt dahinter!

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