Alles Scheiße!

Hakle, unser freundlicher Toipa-Hersteller seit fast hundert Jahren, ist pleite.

Aber nein! Heute heißt das ja Insolvenz und ist so schlimm dann offenbar doch nicht, wenn die Produktion im „Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung“ weitergeht und die Gehälter der 220 Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur gesichert sind.

Hakle begründet die Zahlungsunfähigkeit mit den stark gestiegenen Energie- und Transportkosten, wie so viele Unternehmen derzeit auch. Man habe diese Mehrkosten nicht im gewünschten Maße an die Verbraucher weitergeben können.

Wäre es nicht Hakle, könnte man die Erklärung so stehen lassen.

Aber: War da nicht im Jahr eins von Corona eine Zeit, in der Toilettenpapier-Hersteller, auch Hakle mit seinem schon immer hochpreisigen Sortiment, massiv von der Vorsorge der Verbraucher profitiert hatten?

Im Jahr 2020 hatte Hakle 80 Millionen Euro Umsatz und überstieg mit immerhin 650 000 Euro seine Gewinnerwartungen. Man darf sich fragen, wohin das Geld so schnell verschwunden ist.

Schließlich lernte ich schon von meiner Oma: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“

So viel immerhin dürfte den Unternehmensführern damals schon klar gewesen sein: Die Anzahl der Menschen im Land ist nicht so rasant gestiegen; das gehamsterte Toipa wird in den Monaten nach den Rekordumsätzen erst einmal aufgebraucht werden, ehe man neues einkauft. Und auch: Sobald wieder günstigere Sorten zur Verfügung stehen, werden die Verbraucher wieder auf diese zurück greifen.

Sprich: Die Rekordumsätze des Jahres 2020 waren nur geborgt und nicht auf Dauer. Hat sich da eventuell jemand verkalkuliert und einen andauernden Verbrauchsanstieg einbilanziert, der jeglicher früherer Erfahrung widerspricht?

Zuweilen, will mir scheinen, lassen Unternehmen in ihrer Planung stetig steigender Umsätze die einfachsten Erwägungen beiseite. Oder hat hier jemand gehofft, dass ein Unternehmen, welches Erzeugnisse herstellt, die im Krisenfall zuerst aus den Regalen verschwinden, zwar keines von den umsatzstärksten und auch keines von denen mit den meisten Arbeitsplätzen, aber dennoch “ Too Big to Fail“ ist?

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s