Ich gestehe!

Ich gestehe, dass ich noch nie einen Kalbsbraten gemacht habe. 

Bis in der letzten Woche, in der mir ein prächtiges Exemplar geradezu in die Hände fiel. 

Ja, ich weiß, Fleisch ist böse. Und Kälbchen sind süß. Aber, dachte ich mir, es ist ja eh schon tot. Und bis dahin hatte ich mich nie versündigt.

Über sechs Jahrzehnte meines Lebens war ich zwar nicht frei von jeglicher, aber doch immerhin von dieser Sünde.

Und, eij, verflixt, ich habe es nicht bereut, obgleich es in heutigen Zeiten ja schon eine Sünde ist, den Herd 2 Stunden lang laufen zu lassen. Von den Zutaten gar nicht zu reden.

Ich erinnere mich, dass es in meiner Kindheit an jedem Sonntag einen Braten gab. Meist Schwein, manchmal Rind. Nie Kalb (das war zu selten undoder zu teuer).

Und ich erinnere mich, dass meine Mutter sich diese Bratensache, trotz allseitiger Familienbeteiligung am sonntäglichen Kochen (siehe: wie Thüringer Klöße, handgemacht, eine Vormittag füllende Beschäftigung für die ganze Familei sein können), nie aus der Hand nehmen ließ. Denn der Braten war quasi heilig. Wurde er versaut, war die Zelebrierung des sonntäglichen Essens hinüber. Darauf wollte sie es nicht ankommen lassen. Und es gab auch nicht die Möglichkeit, mal eben schnell anderswie auszuweichen.

Also waren Braten eine Sache, die ich erst nach meinem Auszug von zu Hause lernte. Und auch nicht wirklich, denn Braten kamen damals gerade aus der Mode, obwohl ich Soßen schrecklich mochte, mein ganzes Leben lang bis zum heutigen Tag.

Mein erstes selbst gekochtes Essen in der eigenen Wohnung war: Kartoffeln mit Senfsoße und Eiern. Das kannte ich bis dahin nur aus der Schulspeisung, wo ich es nicht sonderlich gemocht habe. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Seither habe ich das nie wieder gemacht, denn es war eine Idee meines Ehemannes Nr.1, der sehr bald verschwunden war. Ebenso wie diese merkwürdige Essensidee.

Später, und das mochte ich wirklich, kochte ich viele Suppen. Mit viel Fleisch drin und allem, was mir sonst so in die Hände fiel. Meine Suppenfeten waren legendär und die Töpfe noch in der Hälfte des Abends praktisch ausgeleckt.

Jetzt aber, um zum Thema zurück zu kommen, musste es ein Kalbsbraten sein, der schon schmeckte, kaum dass alle Zutaten in den Topf gefunden hatten. Ich hatte im Netz nachgelesen, was frau so alles braucht, noch ein paar Kleinigkeiten nachgekauft, schlussletztlich beim Tun festgestellt, dass man um einIges mehr Wein braucht als noch in der Flasche war. Fast wäre ich sonntags zur Tanke gelaufen, um die Sache perfekt zu machen. Dann aber entschied ich mich dagegen. 

Es SCHMECKTE schon jetzt, ohne hinreichend Wein.

Sohni, der gelernte Koch, reagierte auf mein begeistert per Whats app gesandtes Bild nicht im Mindesten (und erklärte mir erst heute, man habe ja vor lauter Soße den Braten nicht sehen können). 

Aber:

ICH BEREUE NICHTS!  

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