Zufälle

Ich gehöre ja nicht mehr zu den Jahrgängen, die serienmäßig mit hauswirtschaftlichen Erkenntnissen beschult wurden. Über Topflappen und angenähte Knöpfe ging das nicht hinaus. Dabei täte es durchaus Not, dass Kinder in der Schule, was sie zu Hause aus Vorsichts- und/oder Zeitgründen heute nicht mehr lernen, irgendwo anders mehr oder weniger interessiert zur Kenntnis nehmen.

Französische Kinder, so hörte ich, bekommen in Kita und Schule bereits Drei-Gänge-Menüs und kochen auch zusammen mit den Eltern. Womöglich will man die Fahne der berühmten französischen Küche hoch halten. Vielleicht ist das aber auch nur ein Gerücht.

Jedenfalls bilde ich mir ein, dass die französischen Kinder besseres Essen in der Schulspeisung erhalten als es dazumal bei uns der Fall war. Ich erinnere mich, dass ich öfters das Essengeld behielt, als Taschengeldaufstockung, statt es in der Schule abzugeben, weil da bei Pappnudeln mit Wurstgulasch, diätetischer Gemüsesuppe und dergleichen Feinschmeckereien eher wenig Grund zum Neid auf jene Kinder bestand, die tatsächlich bezahlt hatten.

Da meine Mutter sich um den Sonntagsbraten sorgte, wir in der Schule nicht kochen lernten und es mich auch nicht sonderlich interessierte, war ich zu Beginn meiner Selbständigkeit keine besonders gute Köchin. Nicht, dass ich mir einbilden würde, es heute zu sein. Aber man schlägt sich im Lauf der Jahrzehnte so durch und entwickelt ein Repertoire, das dem eigenen Geschmack und dem der Familienmitglieder Rechnung trägt. Schließlich ist es nicht sonderlich sinnvoll, der Familie Speisen aufzudrücken, die sie nicht mag und dann eben auch nicht isst.

Inzwischen ist das anders.

Ich koche mehrheitlich nur für mich, was jedes Mal eine spannende Sache ist. Weil dem Kochen nicht der gezielte Einkauf voraus geht, sondern irgend ein Einkauf (der sich nach meiner Lust beim Einkaufen richtet), aus dem im Rahmen der Haltbarkeit irgend etwas gemacht werden muss.

Ich bevorzuge Ein-Topf-Speisen. Was nicht Suppen meint (obwohl ich die auch gerne esse), sondern Speisen, die früher oder später in einem Topf, besser noch: einer Pfanne, landen. Dabei wird jeweils viel geschnippelt von all dem, was im Kühlschrank und anderswo liegt und irgendwie weg muss. Sehr konservativ geht es dabei nicht zu. Es muss allerdings schmecken, weshalb ich ein ganzes Arsenal an Gewürzen und sonstigen Beimischungen vorrätig habe. Heute z.B. landete in meiner Pfanne der Rest Guacamole zusammen mit einer thailändischen Würzpaste, Kokosmilch und einem Klecks Zwiebel-Kümmel-Brotaufstrich bei dem, was an Gemüse etc. noch drin war. Und ich muss sagen, die drei Kontinente, die sich da trafen, passten wider anderslautendes Ge-unke sehr gut zusammen. Denn es kommt nicht auf die Stimmigkeit der Komponenten an, sondern auf die jeweilige Dosierung (bei neuen oder am Besten jeden) Kombinationen festzustellen durch regelmäßiges Abschmecken.

In der Küche passiert, so glaube ich, vieles durch Versuch und Irrtum. Man schaue sich die alten, komplizierten Koch- und Backrezepte an. Die können ja unmöglich auf einen Schlag entstanden sein. Da hat jemand probiert. So lange bis er vor Glück über das Resultat in der Küche herumsprang, weil DAS ihm nun endgültig gelungen war.

Ich stelle mir vor, wie einer ein paar Eigelb zurecht gestellt hat. Und dann ist ihm, praktisch im Vorbeigehen, eine Prise oder ein Schluck von etwas hinein gerutscht, was da gar nicht hineinpasste, vielleicht Senf. Und er fragte sich, was er damit nun anfangen könnte. Vielleicht hatte er gerade den Ölkrug in der Hand. Und dann schlug er diese Sachen mit dem Schneebesen zusammen, fand das schon gar nicht mal schlecht und musste gar nicht mehr viel tun, als diese Dinge noch mit etwas Salz. Pfeffer, Zitrone abschmecken. Solche Dinge macht man doch nicht mit Absicht. Und doch wäre unser Leben so viel ärmer ohne Mayonnaise.

Zwar denke ich nicht, dass mir in meiner Kochlaufbahn noch ein solch großer Wurf gelingen wird. Aber zur persönlichen befriedigenden Verköstigung reicht es vollkommen aus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mayonnaise

Tod eines Kindes

Am 12 Februar 1993 töteten die Jungen Jon und Robert den kaum drei Jahre alten James auf grausamste Weise in Liverpool. Beide Täter waren zehn Jahre alt.

Ihre Tat wurde verhandelt wie die von Erwachsenen, obwohl man ihre Stühle erhöhen musste, damit sie hinter der Anklagebank zu sehen waren. Sie erhielten erst acht, dann fünfzehn, dann – auf Veto des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte – wieder acht Jahre Jugendstrafe.

Das ganze Verfahren zeigte, wie wenig unsere zivilisierte Gesellschaft mit kindlich-jugendlichen Straftätern umgehen kann.

Während James´ Leidensweges wurde er von 38 Personen zusammen mit den Tätern gesehen, die wahlweise berichteten, James habe gelacht und James habe geweint. Einer der Zeugen sprach die Jungen an, die erklärten, sie müssten auf ihren kleinen Bruder aufpassen. Keiner schritt ein.

Als Grund für die Tat wurden Gewaltvideos hinterfragt, zu denen die Jungs über einen der Väter Zugang gehabt haben könnten. Erst sehr viel später kamen die mehr als prekären Familienverhältnisse der beiden zur Sprache.


Am 11. März 2023 verletzten zwei namentlich nicht genannte Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren ihre 12-jährige Mitschülerin Luise mit über 30 Messerstichen, nachdem der Versuch, sie mit einem Plastiksack zu ersticken, fehlgeschlagen war, und warfen sie eine Böschung herab, wo sie an ihren Verletzungen starb.

Die 12jährige Täterin hatte sich im Vorfeld im Internet zum Thema Strafmündigkeit informiert, so dass die Ermittler inzwischen von einem Tatvorsatz ausgehen.

Die jugendlichen Täterinnen, deren Identität dennoch zumindest im Umfeld und schließlich auch im Netz offenbar wurde, werden von der Justiz geschützt. Ihr Verbleib ist unklar. Man spricht von (getrennten) psychiatrischen Unterbringungen und von der Notwendigkeit ihres Kontaktes mit den Eltern. Eben den Eltern, die nicht gemerkt haben (wollen), dass ihre Kinder irgendwelche Blutspuren von mehr als 30 Messerstichen an sich hatten.

Als Grund für die Tat wird Mobbing genannt. Die sozialen Netzwerke (TikTok) hätten eine Rolle gespielt. Eine der Täterinnen sei wegen ihrer Figur von Luise lächerlich gemacht worden. Und auch ein Junge, den eine der Täterinnen gemocht habe, sei von Luise abspenstig gemacht worden.


Die Nation diskutiert angesichts des Falles von Luise ein weiteres Mal über die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters. Jedoch – angesichts des Falles aus Liverpool – wie weit herab soll man gehen???

Früher sagte man: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.

Heute jedoch ist Erziehung Privatsache. So sehr, dass erzieherisches Personal ( Lehrer, Erzieher, Sportpädagogen …) sich kaum noch trauen, irgendwelche Vorschläge, gar kritische Anmerkungen, für die weitere Verfahrensweise an die Eltern zu richten. Zu schnell und zu laut kommt Widerspruch und der Hinweis, sich doch – bitte! – aus den Privatsachen anderer herauszuhalten, andernfalls man (die Eltern) sich juristischer Mittel bedienen würden.

Offenbar gibt es keinen Konsens mehr hinsichtlich dessen, was gut und richtig in Bezug auf die Kinder ist. Und dieser mangelnde Konsens führt dazu, dass Kinder und Jugendliche sich diese Lücken zu Eigen machen.

Hören sie am Abendbrottisch, wie (negativ) sich Eltern über ihre Lehrer und andere (ehemalige) Autoritätspersonen ergehen, fühlen sie sich ermutigt, Widerstand zu leisten, renitent aufzutreten, sich Regeln zu widersetzen. Und sie fühlen sich auch ermutigt, die großen Regeln zu brechen.

Wenn ich nicht strafmündig bin, kann ich tun, was ich will, da ich ja nicht bestraft werde?

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Ich denke nicht, dass irgendwelches Schrauben an der Strafmündigkeit etwas ändert. Ich hoffe vielmehr, dass wir wieder einen Konsens hinsichtlich der Erziehung finden. Eltern sollten sich nicht unentwegt bei ihren Kindern entschuldigen, solange ihre Kinder nicht selbst gelernt haben, sich zu entschuldigen. Überhaupt sollten Kinder (wieder) lernen, dass menschliches Zusammenleben ein Geben und Nehmen ist. Solange sie meinen, dass sie nur nehmen können, ohne selbst zu geben, werden sie die Grundprinzipien unserer Gesellschaft nie verinnerlichen können.

Und wenn sie sich rückversichern können, dass sie ohne Strafe bleiben, sind sie alt genug zu begreifen, dass ihr (geplantes) Verhalten höchst strafwürdig ist.

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PS: Für jene, die da meinen, gleich auf irgendwelche kriminellen Banden hinweisen zu müssen, die mit Bedacht ihre kleineren, strafunmündigen Geschwister zur Tat anstiften … darum geht es hier nicht.

Was ich schon immer mal fragen wollte

Sind Deutschland/Österreich neuerdings Opferländer?


Ich dachte doch tatsächlich, dass Opfer dann zu verzeichnen sind, wenn es Krieg gibt, Naturkatastrophen, Terrorismus und der Gründe mehr. Also konkreter Gründe. Solcher Gründe, die am Ende irgendwem weh tun, Verluste bedeuten, Menschen töten oder krank machen.
Stattdessen bin ich seit einiger Zeit umgeben von Menschen (also nicht real umgeben, sondern im Netz), die allerlei schmerzvolle Empfindungen verspüren, weil sie sich so unfrei und zu allerlei gezwungen wähnen.  Und diesen Schmerz tragen sie wie eine Monstranz vor sich her und tun so, als seien sie früher so viel freier gewesen als in den letzten Jahren.


Ich erinnere mich, dass es früher irgendwie nicht ganz so frei war:


Der Mann auf der Bank fragte mich noch Anfang der 90er bei der Kontoeröffnung, wo denn mein Mann sei,  als ob ich ohne den kein Konto eröffnen könnte.

 
Die Kindergärtnerin schalt mich, wenn ich meinen Sohn statt Punkt 12 erst fünf Minuten danach abholte, weil der Bus von der Arbeit nicht eher kam.


Der Lehrer meiner Tochter kommentierte ihre Arbeit mit dem Hinweis, dass dies eine Bioarbeit sei und keine Religion und gab ihr deswegen eine schlechte Note. (Da kann man sich mal fragen, ob Religionsunterricht etwas in der Schule zu suchen hat.)


Der katholische Pfarrer tat sich schwer, sein Gemeindemitglied mit einer „ungläubigen“ Frau so verheiraten und knüpfte allerhand Bedingungen an diesen, juristisch übrigens völlig unrelevanten, Akt.


Der Grundschullehrer meiner Kollegin, die auf dem Land wohnte, schlug sie gar noch und es machte keinen Sinn, das ihrer Mutter zu erzählen, weil diese beim ersten Mal kommentiert hatte: „Dann wirst du es wohl verdient haben.“


Der Professor meines Bruders schickte ihn aus der Vorlesung nach Hause, damit er seine Jeans gegen eine „anständige Hose“ austauscht.


Kollegen von mir, die noch „Großes“ vorhatten, traten im vorauseilenden Gehorsam der gleichen Partei bei wie unser Direktor, um die nötigen Kontakte für ihren Aufstrieg zu knüpfen.


Kinder, die in die Schule gehen sollen/wollen, müssen sich einer Schuluntersuchung unterziehen.


Wer in Deutschland arbeiten will, braucht eine Sozialversicherungsnummer und muss Steuern sowie Sozialabgaben zahlen.

Und der Geschichten und „Repressalien“ mehr. 


Von denen übrigens jeder seine eigenen berichten kann.
Es ist anzunehmen, dass eine Gesellschaft ohne Spielregeln nicht funktioniert. Es kann ferner angenommen werden, dass eine Gesellschaft sich wandelt und den Gegebenheiten anpasst.


Ein Bankangestellter, der nach dem Ehemann fragt, und ein Lehrer, der prügelt, wären heute ratzfatz ihren Job los.


Wenn Studenten noch heute keine Jeans tragen dürften, wären die Hörsäle leer.


Die Kirche segnet heute sogar Homosexuelle und in der Schule kann man statt Religion inzwischen Ethik wählen.


Die Kitas haben heute länger geöffnet, weil inzwischen klar ist, dass mit den alten Öffnungszeiten Frauen nicht einmal halbtags arbeiten konnten.


Und der Dinge mehr.


Und dennoch gibt es immernoch Leute, die freiwillig und mit Kalkül in die Partei ihres Chefs eintreten, man braucht noch immer einen Sozialversicherungsausweis, muss Abgaben leisten und die Kinder zur Schuluntersuchung schicken.
Aus Gründen.


Aus guten Gründen auch fuhr man das gesellschaftliche Leben herunter, als anderswo und dann auch bei uns die Menschen starben wie die Fliegen und keiner so wirklich wusste, wie gefährlich dieses Virus ist.


Aus guten Gründen arbeitete man unter Hochtouren an einer Impfung, nahm Risiken in Kauf (die jedem klar sein konnten). Impfungen waren nie Pflicht, auch wenn manch einer das heute gern so darstellen möchte. Und diese Wenn-Dann-Schlussfolgerung galt in anderen Bereichen immer schon:


Wenn eine Familie das Geld braucht, muss eben auch die Frau arbeiten und das Kind in den Kindergarten bringen, auch wenn sie dadurch eine „Rabenmutter“ wird.


Wenn ich nicht aus dem Studium fliegen will, muss ich statt der Jeans eine „ordentliche Hose“ anziehen.


Wenn-Dann.


Nun also: 
Wenn du nicht geimpft bist, kannst du diese und jene Freiheiten (zumindest eine Zeit lang, bis sich einiges geklärt hat) nicht in Anspruch nehmen. 


Wenn du im ÖPNV und beim Einkauf keine Maske trägst, handelst du ordnungswidrig; ein falsches Attest, das dich hiervon befreit, ist sogar strafbar.

All diese Regelungen wurden inzwischen zurück genommen. Am 7.April fallen die letzten Einschränkungen (Maskenpflicht in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen).
Es wird über die Aufarbeitung einer Situation gesprochen, die es so in der Menschheitsgeschichte  noch nie gab. Also zumindest nicht so, dass fürsorgliche Staaten sich dessen angenommen hätten.


Pest, Cholera etc. im Mittelalter wurden genauso „ausgesessen“ wie die Spanische Grippe vor hundert Jahren. Es gab keinen Staat, der sich dieser Sachen annahm; sie waren gottgewollt und unvermeidbar. Punkt.

Also ich, vor die Wahl gestellt, lebe lieber in einem fürsorglichen Staat als einem, der solche schwerwiegenden Dinge „aussitzt“. 
Und schon gar nicht fühle ich mich als Opfer, wenn ich vor diese Wenn-Dann-Entscheidungen gestellt werde, denn die begleiten mich schon ein Leben lang.
Aber das kann natürlich jeder anders sehen.

Good News

Manchmal sind diese Nachrichten, die einem im Netz vor die Füße geworfen werden, ja sehr aufschlussreich. Manchmal aber schwierig umzusetzen.

So lese ich z.B. neben der Mitteilung, dass mein Sternzeichen sich diese Woche (bis Donnerstag!) schwerstens verlieben wird, auch, welche Voraussetzungen es für eine gelungene Partnerschaft braucht.

Frau solle, lese ich, halb so alt sein wie der Mann plus sieben Jahre.

Jaja, denke ich, mit 20 war das noch einfach. Er 33 war zu verkraften.

Mit 30 ging das auch noch: Die Männer Anfang Vierzig sind ja heute auch nicht mehr das, was sie in meiner Elterngeneration waren.

Und, nein, ich werde das jetzt nicht auf jedes neue Jahrzehnt hochrechnen. Meine Leser sind ja schon groß.

Aber ich komme nicht umhin, das nach heutigen Maßstäben durchzurechnen und finde nun die Erklärung für mein Single-Dasein.

Nämlich, dieser rechnerischen Logik zufolge müsste mein Mann, also der für mich richtige Mann 116 Jahre alt sein. Was ansich schon bewundernswert wäre, weil … finde mal so einen Kerl. Selbst Johannes Heesters, ein wirklich schöner und bis ins hohe Alter sehr charmanter Mann hat es nur bis 108 geschafft. Und das bei guter Pflege.

Nicht, dass ich jetzt in Verzweiflung ausbreche.

Eher in Zweifel, ob dieser ganze Schmonzes, den man so liest und hört, so wirklich und bis zum Ende durchdacht ist.

Forscher

So gern wir uns in dieser modernen Welt bewegen, so sehr wir jeden Fortschritt genießen und keinesfalls wieder in die Steinzeit zurück wollen, hindert es uns nicht daran, im Rückblick die Fehler von Forschern zu konstatieren und kritisieren.

Dass Forscher oft sehr gut selbst wissen, wie sehr ihre Forschungen die Grenzen der Ethik überschreiten, beweist der Umstand, dass Peter Neubauer die Ergebnisse seiner Zwillings-/Drillingsforschung bis ins Jahr 2065 der Einsicht entziehen ließ. Zu diesem Zeitpunkt wird keiner der Beteiligten mehr am Leben sein.

Wahrscheinlich hätte die Welt von diesen Forschungen gar nicht erfahren, wäre nicht eines Tages ( 1980) Robert (geb.1961) an seiner neuen Schule gar zu enthusiastisch von seinen neuen Mitschüler begrüßt worden. Er erfuhr, dass er aufs Haar dem im letzten Jahr abgegangenen Eddi glich. Die beiden trafen sich und erkannten, dass sie Zwillinge waren. Eine Lokalzeitung interessierte sich für sie und brachte die Geschichte mit Bild, woraufhin David, als Dritter, sich zu ihnen gesellte.

Erst war die Begeisterung, sich gefunden zu haben, das große mediale Interesse, Auftritte in Fernsehshows, sogar ein Auftritt in einem Madonna-Film. Die drei eröffneten gemeinsam ein Restaurant.

Aber dann kamen die Fragen:

Warum hatten sie nicht voneinander gewusst?

Warum waren sie getrennt adoptiert worden?

Ihre Nachforschungen ergaben zunächst, dass die Adoptionsagentur sich vermeintlich einen leichteren Adoptionsprozess von der getrennten Adoption versprach. Es sei dort Prinzip gewesen, Mehrlinge getrennt zu vergeben.

Erst später stellte sich heraus, dass an die Adoption die Bedingung geknüpft war, die Entwicklung der Kinder im Laufe der Jahre zu beobachten. Es fanden sich Filmaufnahmen von diesen „Interviews“ und Tests auf kognitives und körperliches Leistungsvermögen. Und es stellte sich heraus, dass die Vergabe der Kinder in sehr verschiedene Milieus durchaus Absicht gewesen war.

Die Kinder waren Objekte einer sogenannten Anlage-Umwelt-Studie. Ein Thema, das die Psychologie schon seit sehr langer Zeit interessiert: Was genau steckt uns in den Genen und was ist anerzogen? Und schon lange ist klar, dass eineiige Mehrlinge mit identischem Erbgut der Schlüssel zu diesen Erkenntnissen sind.

Und je mehr sie der Sache nachforschten, umso mehr machte es ihnen zu Schaffen, dass ihr Leben ganz anders hätte gewesen sein können, wären sie zusammen aufgewachsen.

Es gab vergleichbare Studien, in denen gemeinsam oder auch zufällig getrennt aufgewachsene Mehrlinge und ihre Eltern hauptsächlich erst retrospektiv befragt wurden. Aber da wurde mit offenen Karten gespielt und bekannt gegeben, dass es sich um eine Studie handelt, und natürlich die Teilnahme frei gestellt.

Und es gab Mengele, der niemanden fragte und alle ethischen Begriffe über Bord warf.

Und es gab diese jüdische Adoptionsagentur, die bewusst mit Neubauer und seinen Kollegen zusammen arbeitete.

Eddi nahm sich 1995 das Leben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Three_Identical_Strangers

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_B._Neubauer

https://www.vice.com/de/article/594mek/diese-drillinge-wurden-als-babys-getrennt-und-als-versuchsobjekte-missbraucht