Klein oder groß oder … is eh wuascht!

Als ich neu ins Netz kam (1999), hatte ich sehr schnell die dortigen Rechtschreibregeln verinnerlicht und für gut befunden:

Die Kommunikation so von „User“ zu User findet via Kleinschreibung statt.

Nur Texte, z.B. Blogs, werden weiterhin nach den herkömmlichen Regeln geschrieben.

Eine Tücke gabs dann noch nach der neuen Rechtschreibung. Die beherrschte und beherrsche ich bis zum heutigen Tage nicht wirklich. Weil es aber den anderen nicht anders geht, gabs da wenig zu mäkeln. Eine Zeit lang und z.T. bis heute macht/e da jeder so ein bisschen, was er für richtig befand. (Hätte jetzt dieses „Jeder“ groß geschrieben werden müssen?)

Ich weiß nicht, ob ich mit Erstzugriff 1999 zu den Pionieren des Netzes gehöre. Vermutlich eher nicht. Dennoch machte ich weit jenseits der 2000er die Beobachtung, dass die Menge der Neuzugänge im Netz die alten Regeln nicht mehr beherrschte. Gerne klagten sie über die Kleinschreibung in den Kommentaren und nahmen sie – besonders bei Streitgesprächen – als Argument für den Mangel an Bildung. Wohingegen ich ja der Meinung bin, dass es weniger Mangel als Ausdruck von Bildung ist, sich einem neuen Milieu anpassen zu können.

Aber egal. Da waren sie nun die Großschreibexperten und schrieben mit einem Mal (aber vielleicht taten sie persönlich das immer schon so) alles groß, was ihnen unter die Finger kam: Verben(Tuwörter) und Adjektive(Eigenschaftswörter) inklusive. Dabei ist es Schulstoff der ersten Klassen, dass und wann die Dinge klein und groß geschrieben werden. Verben und Adjektive jedenfalls klein. Es sei denn, wir reden von Substantivierungen, also der Hauptwortbildung aus einem Verb oder Adjektiv. Hatten die Schreiber, die ja doch selbst so sehr auf Groß- und Kleinschreibung beharren, zu viele von diesen Substantivierungen gesehen?

Und dennoch (auch das hatten wir ja sehr früh gelernt) ist es ein Unterschied, ob meine Freunde lachen oder ich jemandes Lachen schön finde, ob ich ein paar rote Schuhe trage oder die Farbe Rot am meisten mag. Hier besteht (wie übrigens auch beim „das“ oder „dass“) der Unterschied darin, ob ein „der,die,das“ (dieses, jenes, welches) dazu passt oder nicht.

Die neue Rechtschreibung beschenkte uns übrigens auch mit dem Wegfall etlicher Kommata (über die Mehrzahlbildung bei Worten fremdsprachiger Herkunft reden wir ein anderes Mal; bei manchen Dingen ist die Einzahl auch durchaus verzichtbar, denn wer z.B. begnügt sich mit nur einem Spaghetto?), was jedoch nicht gleichbedeutend damit ist, dass nun keinerlei Kommas mehr gesetzt werden. Auch wenn man bei manchen Schreibern diesen Eindruck gewinnen könnte. Schließlich hat so ein Komma ja doch sehr einen Sinn. Manches nicht gesetzte Komma führt zu arger Verwirrung, manches falsch gesetzte auch.

„Der Mann sagt, die Frau ist das schwächere Geschlecht.“

„Der Mann, sagt die Frau, ist das schwächere Geschlecht.“

Kommas sind also kein Snobismus oder Luxus, sondern eine Notwendigkeit, die sich in der langen Entwicklung unserer Sprache als äußerst nützlich erwiesen haben.

Es kann schon sein, dass ich, die gerne Sätze mit einem Semikolon teile, Züge von Snobismus habe, aber jedenfalls ist ein Semikolon besser als gar kein Satzzeichen und durchgängige Kleinschreibung in Kommentaren finde ich dann immer noch besser als falsche Großschreibung.

Denn merke: nicht alles, was mir die Autokorrektur vorschlägt, entspricht dem, was ich sagen wollte.

Entfernungen

Morgen fahre ich zu meiner Tochter. Die wohnt so ca. 50 km entfernt, was in Zugfahrzeit ziemlich genau eine Stunde ist. Ich werde nach letzten Erkenntnissen dafür irgendwas zwischen 12 und 15 Euro hinblättern müssen.

Damals, als ich herzog, kostete die etwas längere Strecke zu unserem alten Wohnort 10 DM. Das ist jetzt wenig über 20 Jahre her. Grob kalkuliert zahle ich also inzwischen für eine kürzere Strecke ca. ein Viertel mehr als das Doppelte.

Das nur als Ausgangspunkt.

Gerade eben sehe ich eine Serie, in der der Vater in Los Angeles wohnt und die Tochter in Vegas. Tochter reißt aus und fährt mit dem Bus nach L.A.

Weil meine Kinder sich eine solche Flucht bei den hiesigen Preisen gar nicht hätten leisten können, habe ich mal nach den Preisen dort geschaut und gefunden:

Aber nein, machen wir die Fakten vollständig: L.A. und Vegas liegen ca. 370 km auseinander.

Es gibt Busverbindungen (Kind aus der Serie hat natürlich diese gewählt), die ca. 5 ein viertel Stunden dauern und knapp 16 Dollar kosten.

Und es gibt eine Flugverbindung ( ein und eine viertel Stunde lang), die im billigsten Preis 39 Dollar kostet.

Auch wenn Euro und Dollar nicht genau gleich viel wert sind, unterstelle ich das jetzt einmal, weil es darauf nun auch nicht mehr ankommt.

Das Kind aus Vegas hätte also bei hiesigen Preisen knapp 100 Dollar zahlen müssen und wäre vielleicht daheim geblieben.


Was schließen wir daraus?

Öffentliche Verkehrsmittel hierzulande sind Sch… ähh, schlecht?

Die Bahn hätte besser nicht teilprivatisiert werden sollen?

Es ist prima, in einem Land zu leben, in dem Bohrtürme an Bohrtürme stehen und keiner Angst vor Fracking hat?

Oder: es ist Sch…, ähh … blöd, in einem Land zu leben, in dem es kein Öl gibt und Fracking so schwierig ist?

Der Krähenbaum

Von meinem Küchenbalkon aus kann ich seine Spitze sehen. Ein toter Baum zwischen zwei bewohnten Grundstücken, sozusagen auf einem Stück Niemandsland. Was der Grund sein mag, dass noch niemand ihn gefällt hat.

Er ist nicht wirklich tot, sondern bewohnt von einer Schar aus hunderten Krähen. Die fliegen ihn jeden Abend mit lauten Gekreische zur Nachtruhe an. Und am Morgen fliegen sie wieder auf.

Die Krähen sind wie eine Jahreszeitenuhr. Vor ein paar Wochen noch kamen sie schon nachmittags um Vier, jetzt wird es schon halb Sechs. Und auch morgens merkt man den Unterschied: aus um Acht wurde halb Acht.

Ich denke mir, wenn ich nicht sehen, sondern nur hören könnte, wüsste ich dank dieser Krähen doch um den Lauf der Tage und Jahreszeiten. Den Gedanken finde ich tröstlich.

Prognosen

Zu Beginn des Jahrtausends oder Jahrhunderts oder … na, egal. Jedenfalls damals sah ich einen Bericht über den Klimawandel. Anstieg des Meeresspiegels und so. Sie wissen schon.

Am meisten gefährdet, erfuhr ich, sei eine Inselgruppe im pazifischen Ozean, deren höchster Punkt lediglich 5 Meter über dem Meeresspiegel läge: Tuvalu.

Wie wir alle wissen, sind Dinge, die rar oder ganz verschwunden sind, unheimlich wertvoll. Da sollte der Anleger zugreifen.

Allerdings kann man so eine Inselgruppe ja nicht kaufen. Und wenn, hätte ich es mir nicht leisten können. Also buk ich kleine Brötchen und kaufte mir Briefmarken von Tuvalu.

Natürlich war ich mir bewusst, dass das keine Geldanlage ist, die heute oder morgen Früchte trägt. Deswegen legte ich meinem Sohn nahe, dass diese Briefmarken, die ich wohlweislich im Geldordner ablegte, einmal viel wert sein würden und keinesfalls weggeworfen werden dürften.

Alle paar Jahre (nicht, dass ich Jemandem etwas Schlechtes wünsche) interessiere ich mich für das Wohlergehen der Inseln.

Und musste nun erfahren, dass diese nicht nur nicht am Untergehen sind, sondern größer werden, weil – keine Ahnung, wie und warum – dort Sedimente angespült werden, woran auch die vielen Wirbelstürme nichts ändern.

Der Untergang der Inselgruppe ist im Zusammenhang mit dem noch nicht abgesagten Meeresspiegelanstieg nunmehr auf das Jahr 2100 vertagt, so dass weder ich, noch meine Kinder etwas von der potentiellen Geldanlage haben werden. Auch mein Enkel (Jg.2006) wird in seinem bis dahin stattlichen Alter nicht wirklich viel mit den beträchtlichen Erlösen meiner weisichtigen Geldanlage anzufangen wissen.

So geht die Hoffnung in Richtung meiner Urenkel und deren Kinder, die der bis dahin längst vergessenen Urahnin, so hoffe ich, dann noch einmal gedenken werden. (Wenn nicht isses auch wuascht.)

Merke: Aus dem Unglück anderer Profit schlagen zu wollen, ist nicht nur unmoralisch, sondern klappt nur bei denen, die darin Übung haben.

PS:

Natürlich machte sich auch die Regierung von Tuvalu Gedanken um ihre Bevölkerung und beantragte vorsorglich in Neuseeland und Australien Asyl, was von dort abgelehnt wurde. Im Jahr 2014 wurde durch das Einwanderungstribunal Neuseelands erstmalig der Klimawandel als Einwanderungsgrund berücksichtigt und einer 4-köpfigen Familie Asyl gewährt.

Ich schätze, bis zum Jahr 2100 kann man seine Meinung noch ein paar Mal ändern, wenngleich ein Bevölkerungszuwachs von etwas über 10 000 Menschen sicherlich verkraftbar wäre.

Was tun?

Wir sind wieder einmal empört. Und das irgendwie zu Recht.

Aber die Frage ist: Hat uns Empörung schon jemals weiter geholfen?

Es geht um Teichtmeister und seine 58000(!) Kinderpornos.

Die Einen fragen: Wenn es doch alle wussten, warum hat man nicht schon viel früher etwas getan?

Aber wer sind diese „Alle“? Und was genau haben sie „gewusst“?

Was genau eigentlich bedeutet Wissen heute in unserer -gar nicht so selten durch Gerüchte und falsche Experten – fehlinformierten Gesellschaft? Ist Hörensagen wissen? *

Gewusst, weil gesehen, hat irgendwann seine Lebensgefährtin. Und ihn angezeigt.

Andere wieder fragen: Warum hat es so lange gedauert, ihn anzuklagen?

58000 Dateien zu sichten, ist natürlich eine große Aufgabe. Wobei man sich fragen kann, ob man zur Anklageerhebung tatsächlich ALLE Dateien gebraucht hat.

Woran die Empörten jedoch nicht denken … ist nicht nur das geringe geschulte Personal der Polizei (das seit Jahren bis zur Besinnungslosigkeit herunter geschrumpft wurde – wer braucht schon Beamte?), sondern auch die Folgedelikte, die es zu ermitteln gilt:

Woher hat er die Dateien?

Wieviele Mitschuldige kann man auf diese Weise finden?

Wie wurden die Dateien bezahlt? Sind Schwarzgeld und Steuerhinterziehung im Spiel?

Und dann noch die Frage: Warum hat er nicht schon früher berufliche Konsequenzen zu spüren bekommen?

Aber wie soll das gehen ohne Anklage? War da nicht diese Sachen namens Unschuldsvermutung?

Oder sollen wir jetzt wieder dahin kommen, dass jeder, von dem man munkelt, er habe dies oder das getan, aus seinem Job genommen wird?

Und, daran anschließend, die Frage: Wie konsequent soll man jetzt, da Anklage erhoben wurde, mit den beruflichen Folgen sein?

Man hört, alle Filme mit Teichtmeister wurden aus dem Fernsehprogramm genommen. Er wird sozusagen außer Sicht geschafft. Früher nannte man das „geächtet“.

Was aber ist mit seinen Kollegen, die an den Produktionen mitgewirkt und nichts getan haben? Sind sie jetzt Opfer einer Sippenhaft, obwohl sie mit ihm nicht verwandt, vielleicht nicht einmal befreundet sind?

Und warum wird das aktuelle Theaterstück, an dem er mitwirken sollte, ganz aus dem Programm genommen, statt ihn zu ersetzen?

Gar nicht zu fragen, was mit der Oscar-Nominierung wird; auch hier sind all seine Kollegen mit-betroffen.


Es gibt schlimme Dinge auf dieser Welt. Die uns auf den ersten Blick sicherlich empören können und sollen.

Dennoch denke ich, dass die Empörten irgendwann auch wieder auf ihren Verstand hören müssen.

Ich weiß nicht, ob man Fällen wie dem da oben irgendwie habhaft werden kann. Möglichst, ehe irgendwem Unschuldigen etwas passiert. So richtig gut hat das ja bislang nicht geklappt. Im Gegenteil zeigen die Statistiken einen starken Anstieg derartiger Taten auf, was sicherlich mancherlei Gründe hat.

Es gab eine Zeit, da kannte man den Begriff „Kindheit“ und das, was er heute für uns verkörpert, nicht. Das ist nur ein paar Jahrhunderte her. **

Vielleicht funktionieren unsere Gehirne viel langsamer als wir es uns in dieser schnelllebigen Zeit vorstellen können, in der jährlich die Bezeichnungen für alles Mögliche wechseln und wir uns so schwer damit tun, diesen Wechsel anzunehmen.

Vielleicht stecken tief in uns drin noch die Menschen, die wir vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden waren?

*https://www.arte.tv/de/videos/RC-022923/cry-wolf/

**https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1000221406

Diskussionen … oder: Glaubensfragen


Es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, wie die Welt auf der anderen Seite des Spektrums aussieht. Schließlich bewege ich mich auf allerhand Seiten im Netz. Jedoch ist es etwas anderes, mit virtuellen Figuren zu diskutieren (resp. Diskussionen gar nicht erst anzufangen), als im wahren, echten Leben mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die eigentlich ganz nett scheinen könnten. Von denen nämlich weiß man meist sehr schnell, was sie arbeiten, wo und wie sie wohnen usf. Ganz normale Menschen könnte man meinen.

Da war zum Beispiel dieser ehemalige Finanzbeamte, der sich latent so unwohl fühlte, dass er AFD wählt. Was er darf. Ist schließlich eine nicht verbotene Partei in einem demokratischen Land. Halt bloß, dass er mir sein Unwohlsein gar nicht so recht beschreiben konnte. Und auch nicht verstand, dass er seine durchaus veritable Pension von 4600 Euro ( nur 72% des vorherigen Nettoverdienstes, wie er irgendwie „beklagte“;) dafür erhält, ein lebenslanger Diener dieses Staates zu sein. Beiträge hatte er ja nicht bezahlt, so dass die Solidargemeinschaft für ihn mit bezahlt. Was ihn nicht zwangsläufig zum Ja-Sagen verpflichtet, gleichwohl aber beim Nein-Sagen Argumente abverlangt, im besten Falle Aktivitäten. Beides aber konnte er nicht aufweisen. Stattdessen hatte er nur wenige Tage zuvor seine 4.Corona-Impfung ganz selbstverständlich in Empfang genommen, ohne sich auch nur dessen bewusst zu sein, dass „seine“ Partei schon seit Monden und Monden auf die Gefährlichkeit (bis hin zum Tod) dieser Maßnahme hingewiesen und willfährige Impflinge auch schon mal „Schlafschafe“ genannt hatte. Will man so von der selbst favorisierten Partei bezeichnet werden?

Es versteht sich von selbst, dass dieser Nicht-Konsens sich auf allerhand andere Fragen auch erstreckte. Z.B. die Frage der Abtreibung, deren Abschaffung (um es kurz zu sagen) in den USA er gut gefunden hatte. Dass sich jemandem, der sein Leben lang finanziell gut aufgestellt war, nicht erschließt, wie problematisch das Kinderkriegen für Frauen sein kann, die in finanzieller Not sind, dass er gar darauf beharrt, „so ein Kind könne ja dennoch ein gutes Leben haben“ – geschenkt. Genauso geschenkt wie die wiederholten Nachfragen nach Gründen, Argumenten usf. DA WAR NICHTS, außer einem gelegentlichen „Ich weiß nicht“, „Keine Ahnung.“ und all sowas.

———

Oder dieser Brennstäbe-Dingens. (Nein, nicht Atom, sondern Wasserstoff.) Auf Anfrage erklärt er, dass das mit dem Wasserstoff eh nichts werde. (Eine Annahme, die ich übrigens teile, weil der Wirkungsgrad schlichtweg nach heutigem Stand, der so bald sich nicht ändern wird, zu niedrig ist.) Umso erstaunlicher, dass man dann in diesem Bereich arbeitet.

Er ist getrieben von einer erstaunlichen Paranoia, will immer wieder wissen, was und wo ich gearbeitet habe, als fühle er sich verfolgt. Den Begriff „Deep State“ bringe zwar ich ins Gespräch, dies aber nur, weil einige seiner vorsichtigen Andeutungen in genau diese Richtung deuten.

Als ich erkläre, dass der Staat im Staat keine Neuigkeit ist (noch nie hat eine Regierung alles, was im Hintergrund läuft, offiziell gemacht; immer ging es den Protagonisten ums eigene – vorrangig finanzielle – Wohlergehen, darüber hinaus immer um Macht), reagiert er gar nicht, als sei ihm dieser Gedanke noch nie gekommen. Als ich darüber hinaus feststelle, dass die wirtschaftsmächtigen Milliardäre nie im Leben so viel Geld (ver)brauchen könnten, wenn sie nicht Machtinteressen verfolgen würden, schweigt er ebenso. Es scheint, als hätte er diese Zusammenhänge nie durchdacht. Ich warte auf Hinweise von gefolterten Kindern in (nicht existierenden) Kellern von Pizzerien, Adrenochrom und Xavier Naidoo. Aber die kommen nicht, obwohl ich das Gefühl habe, dass sie gedanklich im Hintergrund schweben.

Was aber kommt, ein wenig später, ist das Beharren darauf, dass am 06.01. im Kapitol natürlich die amerikanische Antifa zugange war.

Ich beharre darauf, dass es in den USA keine Antifa gibt. Weil ich Antifa anders verstehe und mir die Zusammenfassung „aller linken Kräfte“ in den USA unter dem Begriff einigermaßen wertentfremdet vorkommt. Besonders deswegen, weil er erst im Zusammenhang mit Trump aufkam. (der im Übrigen Zeit seiner Regentschaft dafür kämpfte, dass die „Antifa“ als terroristische Vereinigung angesehen werden soll; was aber am amerikanischen Prinzip der freien Meinungsäußerung, Demonstrationsfreiheit etc. scheiterte; gute Gründe dafür, einen in dieser Weise agierenden Präsidenten als „faschistisch“ anzusehen und bekämpfen zu wollen; übrigens nachgewiesenermaßen mit i.d.R. keiner bis wenig Gewalt).

Stunden nach diesem Diskurs sandte er mir eine Fotografie des offenbar amerikanischen Wikipedia-Eintrages, die doch tatsächlich – allerdings in der von mir beschriebenen Weise – eine Antifa (USA) kennt. Eine, die Flugblätter verteilt, sich in Bürgerrechtssachen stark macht, auch mal Gegendemonstrationen zum rechten Flügel organisiert. Und der man einen(!) vermeintlichen Mord nachsagt. (Der Fall wurde nie abschließend geklärt, weil der vermeintliche Täter vorab von der Polizei erschossen wurde.) Im Gegensatz zu 329 nachgewiesenen Morden rechtsextremistischer Gruppen.

Unsere Diskussion endet an diesem Punkt, weil er mir nachsagte, ich würde „sowieso nicht glauben“.

Tja, die Frage ist halt, sind die vom anderen Spektrum Gläubige? Dann freilich würde sich erklären, warum man ihren Auffassungen in der Diskussion nicht beikommen kann. Sie klammern sich so an ihre Überzeugungen, dass sie keine wirklichen Argumente aufnehmen und verarbeiten können. Sie begegnen Allem, was sie in den Grundfesten ihrer Gläubigkeit erschüttern könnte, mit mehr als nur latenter Wut.

Und, ja, sie unterstellen einem dann gerne schon auch mal … äh, ja was auch immer. (Bei mir wird meine Herkunft immer wieder gern genommen. Bei anderen vielleicht etwas anderes.) – So oder so, fehlende Argumente ersetzen sie durch Untergriffigkeit. Und da ist dann der Punkt, wo das reale und das virtuelle Leben sich durchaus begegnen können

Winterzeit

… ist Kuschelzeit.

Man haut sich auf ein Möbel, das gleichermaßen zum Sitzen und Liegen geeignet ist, landet in einer HalbundHalb-Stellung darauf und genießt. Filme, Bücher, Hörbücher. Jedenfalls faul und passiv genießend. Sollen sich doch die anderen anstrengen, während man selber im besten Fall gefesselt ist, im schlimmsten aber irgendwann nörgelnd sich aus den Kissen und Decken hervorwälzt, um festzustellen, dass DAS ja irgendwie besser gegangen wäre.

So ein fauler Konsument ist, neben seiner Faulheit, eben auch Konsument. Der dann irgendwann zufrieden ist oder eben nicht. Schließlich hat er auch dafür gezahlt und darf also kritisch sein.

Nur wenige Konsumenten ergehen sich darüber hinaus in Betrachtungen darüber, wie sich die Welt verändert hat.

Früher, wenn´s ums Schauen ging, bezahlten wir Kinoeintritte, Fernsehgebühren (das tun wir noch heute) oder damit, irgendwelche sinnlose Werbung zu schauen. Heute zahlen wir dafür, KEINE Werbung mehr sehen zu müssen. Und manchmal kriegen wir dafür sogar Filme, die sonst nirgendwo im kostenfreien Fernsehen zu sehen sind.

Neulich, im Netz unterhielt ich mich mit einem, der sich merkwürdigerweise an STARWARS festgebissen hatte, was ich nie sonderlich mochte, weshalb mich auch heutige Pre- und Sequels nicht interessieren. So etwas geht an mir vorbei. Sowieso war während Corona Kino nicht. Da gab´s Filme, die zu Beginn total ins Leere liefen. Schade ums Geld.

Währenddessen aber, die Leute waren ja mehrheitlich zu Hause, gab es Bezahlfernsehen und das Aufblühen der Serien.

Nicht, dass es die nicht schon vorher gegeben hätte. Aber die Serien wurden anders. Schlaumeier von oben meinte, Spannungsbogen hätte es früher schon gegeben. Z.B. bei Twin Peaks. Also Serien, die eine fortlaufende Geschichte verfolgten. Was, das nur nebenbei, zu normalen Fernsehzeiten reichlich unnütz war, wenn man auf die nächste Folge eine Woche warten musste.

Heute ist das anders. Man kann das Zeugs in einem Guss sehen. Immer vorausgesetzt, man hat keinen Zahnarzttermin, erwartet keinen Besuch oder die Sonne scheint draußen nicht so hell, dass man im Fernsehen eh nichts mehr sehen kann. Dann sollte man auch mal raus gehen und sich das echte Leben ansehen.

Für die anderen Wetter- und Stimmungslagen gibt es, wie gesagt, das Bezahlfernsehen, das man zum Preis von zwei Kinokarten schon für vier Sender, jeweils einen Monat, haben kann. Wer geht da noch ins Kino?

Meine Tochter! Hörte ich vorhin. Die schon seit Wochen von AvatarII redet, dessen ersten Teil nicht im Kino gesehen zu haben sie noch heute sehr bedauert. Auf die negativen Kommentare wegen der Delfine und der Diskriminierung der indogenen Dingens gibt sie ebenso wenig wie ich (Ich hatte das Gefühl, sie hatte von beidem bislang noch nichts gehört. Was ich ihr nicht übel nehme. Blödsinn darf sehr wohl ignoriert werden.)

Und dennoch bleibt das Fazit, dass Kino heute nur wenig noch bieten kann, was Fernsehen nicht auch kann. Schließlich hat sich auch die Technik entwickelt. Die Geräte werden immer größer, können 3D, Dolby-Dings und was weiß ich noch. Warum also in die Ferne schweifen, wenn es auf dem heimischen Sofa so kuschelig ist und da keiner mit Tüten knischpelt, telefoniert, hustet und all das?

MEIN Fernseher hat … keine Ahnung, wieviel Zoll, knarrzt manchmal bei Basstönen, wird auch irgendwie immer dunkler (oder sind das die Filme?), aber ich bin mir ganz sicher, dass er noch bis März durchhalten wird, wenn Schätzings „Schwarm“ erscheint. Ursprünglich hatte es bei Hollywood Interesse geweckt. Dann aber stellte man fest, dass die Geschichte unverfilmbar ist. Und DANN kamen die Serien. Also die neuen, die eine ganze Geschichte erzählen. Sieben Sendeanstalten wirken mit.

Und, ja, plötzlich ist alles anders und birgt enorm neue Möglichkeiten.

Die alltägliche Blödigkeit

Kennen Sie das auch?

Ab einem bestimmten Alter scheinen die Leute von einem zu erwarten, dass man im Gehirn nachlässt. Was sicherlich auch stimmt. Aber sie schmieren es einem zuweilen in den völlig falschen Momenten aufs Butterbrot.

Es ist nämlich ein Unterschied, ob man, was schon in Vierzigern oder Fünfzigern beginnen kann, einzelner Namen oder Begriffe nicht sofort habhaft wird oder komplexe Zusammenhänge vergisst. Letzteres habe ich noch ganz gut im Griff.

Meine Tochter zum Beispiel erwähnt gerne und m.E. ziemlich oft: „Das hast du mir schon erzählt, Mutti.“ Nachsichtig zwar, aber doch auch mit leichtem Vorwurf, der im Übrigen für sich steht und nicht weiter vertieft wird, dennoch mir vor Augen hält: Ah, jetzt ist es bei dir also auch soweit.

Dabei weiß ich meist sehr wohl, DASS ich das schon irgendwem erzählt habe, merke mir aber im Detail nicht, wem. Oder aber ich will die Fortsetzung von irgendetwas berichten, bin mir aber nicht sicher, ob Kind sich nun gerade diese Unwichtigkeit aus meinem Leben gemerkt hat.

Denn es gibt da ja auch noch diese Art quasi absichtliche Vergesslichkeit. Weil man diese oder jene Geschichte fürs Eigene so ganz und vollkommen für verzichtbar hält. Beispielsweise die regelmäßigen Berichte meiner ehemaligen Kollegin über irgendwelche Menschen aus ihrem Ort, von denen ich nie zuvor hörte und von denen ich höchstwahrscheinlich auch nie wieder hören werde, die – stell dir bloß vor! – diese oder jene Furchtbarkeit gesagt, getan haben.

Ich hatte es noch nie so mit Tratsch. Warum also soll ich mir merken, was fremde Menschen getan und/oder gesagt haben?

Halten Sie das für ignorant?

ICH halte das für eine Art gesunder Geisteshygiene, die übrigens nichts mit dem Alter zu tun hat. Ich tat das schon immer: Vergessen, was nicht wichtig ist. Und räume dabei ein, dass dies – natürlich! – Sachen sind, die für mich(!) nicht wichtig sind, dies für andere sehr wohl sein können.

Aber dass meine Tochter denkt, ich verblöde langsam, finde ich schon ziemlich fies.

Der Lauf der Zeit

Heute hörte ich, dass im Fußballmuseum eine Telefonzelle steht und bereits mehrfach Kinder gefragt hatten, was das denn sei.

Vielleicht, wenn man sie anmalen würde, blau, würden die Kinder denken, dass es sich um die Tardis handelt, die sie vielleicht aus der Serie „Dr.Who“ kennen. Vielleicht aber auch nicht. Ganz sicher aber wäre ihnen nicht klar, dass die Tardis den englischen Polizeinotrufhäuschen nachempfunden ist. Wie sie auch nicht mehr wissen, dass man einst, vor dem PHONE sehr viel kostenintensiver und mit einem Draht daran telefonierte.

Einstmals (als ich selbst noch nicht im Besitz eines Telefons in meiner Wohnung war) beneidete ich die Menschen in den amerikanischen Filmen nicht nur um ihre allzeit bereiten Telefone (ja, sogar um das, das sich Doris Day mit Rock Hudson teilen musste), sondern auch um ihre ellenlangen Leitungen, die es ihnen ermöglichten, mit dem Hörer am Ohr meterweit vom Gerät entfernt zu telefonieren.

Es dauerte noch Jahrzehnte, ehe meinereiner mit einem drahtlosen Hörer in allen Teilen der Wohnung mit Menschen anderswo reden konnte.

Und doch, da wir über Telefonzellen sprechen, erinnere ich intensiv jene Telefonzellen, acht Stück an der Zahl, vor der Hauptpost, zu denen ich nächtens ging, um mit meinem fernen Freund zu telefonieren.

Irgendwann fand ich jene, die mir stundenlange Gespräche ohne jegliches Geld-Nachwerfen ermöglichte, ohne das Ferngespräche ansonsten gar nicht funktionierten.

Wir sprachen so manches verliebte Zeugs, ohne dass ich dafür bezahlen musste, ebendas sagen zu dürfen.

Und mich störte nicht, dass am Boden der Telefonzelle merkwürdige Flüssigkeiten zusammenliefen und unerfreuliche Gerüche nach oben stiegen und die Scheiben mit Dingen befleckt waren, deren Herkunft ich lieber nicht wissen wollte.

Ich war nur froh, sprechen zu können, was und so lange ich wollte.

Bis jener andere vor mir in der Zelle war. Und ihren Wert erkannt hatte. Mein Klopfen und Mahnen, er möge endlich fertig werden, damit auch ich …, ließ ihn kalt. Er verwies mich auf die anderen sieben Zellen, die ebenso stanken und befleckt waren, aber eben kostenpflichtig.

Ab da ging ich nachts nicht mehr in die Stadt. Und irgendwann, denke ich, werden sie den Apparat auch repariert haben.

Und dennoch waren diese schlaflosen Nächte mit stundenlangen Gesprächen meine glücklichsten.

Jedes Mal!

In so einem älteren Leben gibt es ja nicht allzu viele Höhepunkte.

Man freut sich dennoch immermal auf irgendwas und ist enttäuscht, wie jeder andere auch, wenn es nicht eintritt.

Halt bloß, dass in so einem älteren Leben die Vorfreuden seltener werden. 

Weil man so vieles schon erlebt hat. Das vielleicht am Ende doch enttäuschend war. Das dann doch nicht oder mindestens anders eingetreten ist. Das von irgendwas abgeändert wurde und dann doch nicht so erfreulich war.

Ich selbst bin ein bescheidener Mensch. Und ich erwarte nur selten etwas. Und eigentlich sind die Dinge, auf die ich mich freue, sehr einfacher Natur, und die Freude in ihrem Angesicht beruht auf sachlich-wissenschaftlichen Vorausschauen.

Wie zum Beispiel bei diesen Meteoritenschauern, die es regelmäßig gibt.

Z.B. die Leoniden. Im Gegensatz zu den Perseiden, die uns alljährlich im August ereilen, entfalten sich die Leoniden zwar regelmäßig, aber ganz besonders alle 32 Jahre, in denen sie den Schweif des Kometen Dingsbums treffen und dann so richtig losdonnern. Dieses Jahr ist eines von diesen besonderen Jahren.

Ich meine, Sternschnuppen sind prima, werden aber besonders durch die Möglichkeit (manche nennen es Aberglauben!), sich in ihrem Angesicht etwas wünschen zu können. Also wirksam(!) wünschen zu können. Du siehst so ein Ding und hast deinen Wunsch so parat, dass er dir nur so durchs Hirn und/oder über die Lippen flutscht. Denn schnell muss man schon sein. Nur ganz wenige Sternschnuppen sieht man mehr als aus den Augenwinkeln und länger als einen flüchtigen Moment. 

Wenn aber, wie eben bei den Leoniden angekündigt, stündlich irgendwas zwischen 50 und 100 (manche reden sogar von 250) Dingens da herunter kommen, sind die Chancen, da alles richtig zu machen, natürlich ungleich größer.

Und JEDES MAL, wenn ich bereit bin, mir die Nacht um die Ohren zu schlagen, weil ich meine Wünsche nun endlich, endlich erfüllt haben möchte, kommt eine solch mistige Wetterlage dazwischen, die es völlig unmöglich macht, Irgendwas am Himmel zu sehen.

Aber pfeif drauf: Da sind ja noch die Geminiden und Ursiden.

Ich krieg meine Wünsche schon noch an den Mann.

Sicher.