„Ich komme!“

Dies ist, entgegen eventuell anderslautenden Erwartungen, kein Schmuddelblog, sondern eine ernst gemeinte wissenschaftliche Betrachtung.

Es geht um Medien und, ja, auch um Sex. Auch wenn man natürlich anders(wohin) kommen kann als im Bett.

Aber schon allein der Titel gebende Satz ist bezeichnend. Ich persönlich habe den noch nie ausgesprochen, finde es aber erstaunlich, dass Menschen in Filmen ihn bei ebendieser Gelegenheit so oft im Textbuch stehen haben.

Ich meine: Wem nützt diese Ankündigung? Entweder man ist im Gleichklang oder eben nicht. Oder handelt es sich dabei um eine Handreichung im Sinne von „Du kannst jetzt auch …“ oder eine Drohung („Wenn nicht jetzt, hast du Pech gehabt.“)

So oder so finde ich derlei Kommunikation wenig hilfreich. Und wenn man biologische Gegebenheiten betrachtet, hängt es ja auch sehr davon ab, WER von beiden diese Äußerung von sich gibt. Und letztlich auch davon, wie sehr man sich zugetan ist, eventuell fehlenden Gleichklang durch geschicktes Aufeinander-Eingehen am Ende doch noch auszugleichen.

So oder so finde ich diesen (und manch anderen) Satz durchaus entbehrlich, wie ich überhaupt der Darstellung der Sexualität im modernen Film mit Staunen begegne und mich frage, hat sich der Sex tatsächlich so verändert oder machen sich manche Dinge einfach dramaturgisch besser?

Zum Beispiel kann es ja sein, dass das Sich-Ausziehen eine entweder peinliche oder aber (zu) langwierige, vielleicht auch uninteressante Angelegenheit ist, so rein filmisch. Aber bedeutet das, dass nunmehr alle, die im Film miteinander Sex haben, wie die wilden Stiere übereinander herfallen und sich die gegenseitig die Kleider vom Leib reißen müssen? Mein Kleiderschrank würde davor auf Dauer kapitulieren, denn die Blusen und Hemden mit den ab- und eingerissenen Knöpfen kannst du hinterher wegschmeißen. Wie kommen die mit solch zerfetzten Klamotten wieder nach Hause? Denn dass man sich vor kurzem erst kennen gelernt hat, bedeutet ja, dass mindestens einer da nicht zu Hause ist.

Wie überhaupt kommt es zu diesem ganz plötzlichen Einverständnis, das im Grunde keinen Rückzieher zulässt? Manchmal haben die sich vor diesem Kleider-vom-Leib-reißen noch nicht einmal geküsst.

Wie zum Beispiel wäre es, wenn mann/frau beim Küssen feststellt, dass die/der ganz fürchterlich schmeckt und eigentlich diese Sache überhaupt nicht geht?

Aber gut, gehen wir davon aus, dass er/sie nicht furchtbar geschmeckt hat, es also keine quasi-Vergewaltigung war. Erstaunlicher Weise (gerne in amerikanischen Filmen) sieht man sie am Morgen selig aufwachen, meist frisch geschminkt (na gut, das muss im Film so, denn keiner will verschwiemelte Gesichter mit verschmiertem Make-up sehen), küssen sich alsogleich intensivst (da am Vorabend meist Alkohol im Spiel war und man wegen dieser Stier-Sache mit ungeputzten Zähnen auf den Laken landete, würde ich persönlich ja eine morgendliche Zahnpflege bevorzugen) und – siehe da! – entgegen anderslautenden Erwartungen haben sie die wichtigsten Kleidungsstücke (schon wieder/ immer noch) an. Nur selten, sieht man einen nackten Männerhintern oder eine unbekleidete weibliche Brust.

Wenn´s vor dem Schlafengehen so heiß herging, sollte man doch annehmen, dass sie in der Nacht nicht gefroren und sich deswegen angezogen haben. (In manchen Filmen, was ja vielleicht vorkommen mag, sind sie sogar währenddessen teilbekleidet. Sie stöhnen und ächzen vollkommen ekstatisch, kommen aber mit nur der aller nötigsten Nacktheit aus?)

Ich komme zu dem Resultat, dass ich entweder nichts vom modernen Film oder vom modernen Sex verstehe oder eben einfach nur zu alt bin für den Scheiß.

Spinnwebenstricken

Manche Dinge dauern – gefühlt – ewig und sind dann umso besser.

In einem der letzten Blogs erwähnte ich die Spinnwebstrickerei aus Alpaka. Eine wirklich feine (im doppelten Sinne) Sache, wie ich nun, nach ca. 4 Wochen, weiß.

Die Empfängerin des 1. Pullovers aus der Serie „Frieren für den Frieden“ hat sich sehr gefreut und den Sinn sofort erkannt: Das sei so eine Sache, die man gerade eben, an womöglich kühlen Sommerabenden, gut brauchen kann.

Es wurde der Wunsch geäußert, das hier vorzuzeigen, was ich hiermit tue:

Und auch Nr.2 ist bereits in Arbeit:

Das Wandern ist des Müllers Lust

Irgendwann, als die Menschen noch keine eigenen Uhren hatten, orientierten sie sich am Läuten der Kirche, denn die Orientierung am Sonnenstand war doch recht ungenau.

Und sonntags (oder anderntags, denn der kirchlichen Feste gibt es viele) rief die Kirche zum Gottesdienst. Sie rief: „Steht auf!“ und „Jetzt wird es Zeit zum Losgehen!“ und sie rief mancherlei anderes.

Obwohl die Leute heute Uhren haben, tut sie das noch immer. Und ich bin immer dabei, denn die Kirchenglocke befindet sich irgendwas um 150 Luftmeter von meinen Fenstern entfernt.

Meine Wohnung ist schön, sie liegt zentral und doch ruhig, sieht man einmal von der Kirchenglocke ab.

Woran man sich gewöhnen kann, obwohl Ehegatte Nr.2 dermaleinst, als wir in ähnlicher Entfernung von einer Kirche wohnten, sehr ungehalten werden konnte. ER war der Christ, aber nicht katholisch wie bei Kirche Nr.1, die um Mitternacht 16 Mal schmetterte. Die hiesige endet um 10, mit vierzehn Schlägen (vier für die volle Stunde und zehn für die Stunde).

Es ist, denke ich, eine Frage der Toleranz. Das Geschepper kann einen stören oder erfreuen, je nachdem.

Zu Weihnachten, z.b., öffne ich (bewusst, egal, wie kalt es ist) meine Balkontür in der Küche, und singe mit den Bläsern oben auf dem Turm zusammen „Lobet den Herrn“, während ich das Festmahl bereit. Obwohl ich nicht wirklich religiös bin. Aber ich habe da so ein Gefühl im Herzen, das sagt, IRGENDWAS ist da.

Was all das mit den Müllern zu tu hat?

Irgendwer hatte das Gefühl, dass eben diese Glocke noch mehr kann, können sollte. Und sie haben dem Glockenspiel Musik gegeben, alle zwei geraden Stunden um sechs Minuten nach halb. Folglich klimpert das Glockenspiel um 11uhrsechsundreißig „Das Wandern …“ … eh schon wissen. Und noch noch mancherlei anderes.

So isses halt.

Der Grußweg

Neulich, im Netz, begegnete mir ein Saarländer, der stur darauf beharrte, dass Menschen – egal, wo auch immer – sich jedenfalls zu grüßen hätten, immer. Alles andere wäre unhöflich bis ignorant.

Ich, so als geborener Großstädter, sah und sehe das anders. Weil man in einer Stadt mit Hunderttausenden von Einwohner am Ende eines Tages Fusseln am Mund hätte, ohne etwas wirklich Substanzielles gesagt zu haben. Zudem würde es die Mehrzahl der Mitmenschen in so einer Großstadt überhaupt nicht begreifen, von irgendwem gegrüßt zu werden. Man stürzte sie womöglich in totale Verwirrung, weil sie mindestens bis zum Ende dieses Tages überlegt haben würden, WER denn nun dieser Grüßotto gewesen sei und ob man irgendwen wichtiges vergessen habe.

Eine andere Kommentatorin im gleichen Strang erwiderte dann auch prompt, dass sie ihm – dem Grüßotto – viel Glück in Berlin wünsche, was nicht nur eine Großstadt ist, sondern bekanntermaßen auch eine, von der man weiß, dass die Einheimischen dort nicht gerade jeden Morgen ein Glas Höflichkeit trinken.

Seit ich auf dem Land wohne, weiß ich, dass sich da durchaus Menschen grüßen, die man nicht kennt. Obwohl es nach meiner Beobachtung in den letzten zwei Jahrzehnten auch damit nachgelassen hat. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich vom Landleben einen anderen Begriff habe als andere. Schließlich wohne ich in einer Kreisstadt, was ja irgendwie auch Stadt ist.

So oder so. Jedenfalls bin ich in den Jahrzehnten, die ich bereits hier verbringe, flexibel geworden, was mir mein inzwischen erreichtes Alter erleichtert. Denn ich gehöre zu jenen, die mit nur wenigen Ausnahmen zuerst gegrüßt werden. Also grüße ich zurück, wenn mich jemand grüßt, auch wenn ich ihn nicht kenne, und mache mir nur wenig Gedanken darüber, OB ich ich kenne.

Bemerkenswert aber finde ich, dass ich auf jenem Weg an unserem Minifluss, wenn ich ihn denn morgens nutze, um irgendwie auf mein Schrittpensum zu kommen, so viele Leute treffe, die mich mit solcher Selbstverständlichkeit grüßen, als hätten wir ein Einvernehmen, dass morgens hier zu gehen uns als eingeschworene Gemeinschaft kennzeichnet.

Als ich zum ersten Mal hier ging, dachte ich, es läge daran, dass so viele Hundebesitzer darunter sind. Was nicht wirklich eine Erklärung war, denn ich selbst gehe ohne Hund. Aber dann grüßten auch die Radfahrer und wer auch immer.

Es scheint, als würden diesen Weg alle benutzen, die frühmorgens irgendeine PFLICHT erfüllen und sich darin einig sind. Und weil sie das sind, herrscht zwischen ihnen großes Einvernehmen bis Zuneigung oder so.

Beinahe hätte ich diesen Gedanken vertieft, wäre da nicht dieses Paar gewesen, in zwei Metern Abstand voneinander gehend, von dem ER mich grüßte und SIE mich böse ansah.

Noch mehr verwirrt wurde ich, als ich das Paar auf dem Rückweg wieder traf. Diesmal saßen sie auf einer Bank. Er grüßte mich mit etwas Verzögerung ein zweites Mal. Und ich, die ich nicht mit einem zweiten Gruß gerechnet hatte, grüßte etwas vernuschelt zurück, was ihn zu einer unnetten Bemerkung veranlasste.

Was mich allerdings am Grußweg nicht zweifeln lässt. Ich werde noch ergründen, WAS genau diesen Grußweg ausmacht. Und irgendwann werde ich wissen, warum das dort so ist und nirgendwo anders.

Wie ich beinahe die Mondfinsternis verpasst hätte

Für Menschen mit astronomischem Interesse wie mich gibt es ein paar Dinge, die man eben gesehen haben muss. Koste es, was es wolle. So eben auch Mondfinsternisse wie heute morgen.

Ich wusste schon vorher, dass es schwierig werden würde, denn die Finsternis sollte ihren Höhepunkt um Fünfuhrpaarundzwanzig erreichen, Sonnenaufgang war aber schon um Fünfuhrzehn.

Egal.

Ich stellte den Wecker auf 04:45 Uhr, sprang auch gleich putzmunter heraus, verzichtete auf jegliche Morgenhygiene (dafür war später noch Zeit) und stürzte auf den Südostbalkon. Denn aus den Beobachtungen der letzten Nächte wusste ich, dass der Mond dort hinter dem Hügel untergehen würde.

Ein bisschen, dachte ich, würde ich schon sehen. Und ahnte nicht, was so ein bisschen Hügel mit dem Horizont macht. Er hebt ihn an. Und lässt den Mond schneller verschwinden. Der Mond stand ganz kurz über dem Horizont, war erst zu drei Vierteln abgedeckt und kriegte schon tüchtig Licht von der aufgehenden Sonne ab.

Pustekuchen! Nix Blutmond.

Aber ich gab nicht auf, holte den Laptop hervor und suchte nach „Mondfinsternis live“, denn irgendwer filmt doch irgendwie immer alles.

Was ich fand, übertraf meine kühnsten Erwartungen, denn Menschen aus allen von der Mondfinsternis betroffenen Teilen der Welt hatten sich zusammen gefunden, mehrere Cams waren geschaltet und es traf sich eine Community der besonderen Art.

Die beste Sicht (oder Kamera) hatten sie in Marokko, dann waren da noch San Diego, Tuscon und ich weiß nicht mehr wo.

Am Besten aber waren die Kommentare, die außer vielfältiger Begeisterung in allen Sprachen auch ein paar Spinner („Jesus lebt!“) versammelten und Flacherdler (Nicht, dass die keine Spinner wären.) mit der Behauptung, dass das alles gelogen sei, weil es nicht wirklich in ihr Weltbild passt.

Alles in Allem eine gute, weltumspannende Zusammenkunft, auch wenn die Teilnehmer aus Toronto, Main und UK vermeldeten, dass sie wegen der Wolken rein garnüscht sehen könnten.

Aber dafür gibt es ja das Netz.

Lebensgefährlich

Nicht ahnend, wie gefährlich der heutige Tag sein könnte (er sah vielmehr aus wie ein ganz schöner, sonniger, warmer Tag, an dem frau gerne ein wenig flanieren geht) spuckte mir mein PC in der Fußleiste das Wort „WARNUNG!“ entgegen. Natürlich weiß jeder gern Bescheid, was denn da nun so gefährlich ist, gerade dann, wenn alles so harmlos, nett und erfreulich aussieht. Und ich erfuhr, dass da Wind ist.

Aha! 50 bis 60 Stundenkilometer. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, welcher Windstärke das entspricht. Zwar ertappte ich mich einen Moment lang dabei, meine offene Markise etwas besorgt angesehen zu haben. Aber das lag weniger an diesem Besorgnis erregenden Wind als der Tatsache, dass ich Handwerkern und Material nie getraut habe, die nach der Hausdämmung anstelle der alten, soliden Markise ein von Anfang an sehr wackliges und wenig rissfestes Ding ( Billigware, die dem Geiz des Vermieters geschuldet ist, der zuerst meinte, gänzlich ohne auskommen zu können) montiert hatten.

Nie und nimmer hätte ich geglaubt, dass Wind an sich, also solcher Wind, den man am Meer, wo es einem schon mal die schweren Badetücher weg weht und die Liegestühle umhaut, belächelt haben würde, gefährlich sein könne.

Woher, frage ich mich, kommt unser Drang, immer mehr natürliche und früher als eben nicht gefährlich angesehene Dinge nunmehr als bedrohlich anzusehen? Sind wir inzwischen so weit, dass alles, was mit Natur zu tun hat, uns nicht geheuer vorkommt?

Andererseits: Die Natur allein kanns nicht sein.

Auch auf meiner Zigarettenschachtel steht: „Rauchen ist tödlich!“ im Gegensatz zu früher: „Rauchen kann tödlich sein“, was immerhin dem Umstand Rechnung trug, dass es hundertjährige Raucher gab, die, wenn es denn so weit war, nicht am Rauchen, sondern an Altersschwäche gestorben sind.

Früher sagten sie:

„Alkohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin;

ohne Alkohol und Rauch stirbt die andere Hälfte auch.“

Was natürlich euphemistisch ist. Rauchen und Saufen SIND nicht gesund. Wobei … so einem Gläschen Wein hier und da, auch regelmäßig, aber in Maßen, sagt man sogar eine gewisse gesundheitsfördernde Wirkung nach.

Ach, nichts Genaues weiß man nicht. Und Übermut(-maß) tut selten gut.

Und dennoch schauen wir heute, wo unser Leben insgesamt besser, länger und ungefährlicher ist, viel mehr auf alle möglichen Gefahren als früher. (Irgendeiner von diesen heute wenig geachteten Herrschaften äußerte dermaleinst: „Kerle, wollt ihr ewig leben?“. Das, freilich, hatte andere Beweggründe, kommt bei mir aber gelegentlich auch nach oben.)

Wie lange wollen die Leute leben und, warum?, wenn ihr Leben bei all den Einschränkungen, die sie sich selbst auferlegen, am Ende so wenig Spaß macht?

Menschen machen Diäten, weil Übergewicht nicht gut für Herz und Kreislauf ist, verzichten auf Zucker und Salz aus ebendiesen Gründen, obwohl doch gerade die den Geschmack in unser Leben bringen. Menschen haben krampfhaft ihren Schrittzähler im Auge, statt nach den Vögeln und Käfern und Fröschen zu sehen, denen sie auf dem Weg zu ihren 10 000 täglich begegnen. Menschen gehen abends Punkt 22.00 Uhr ins Bett, weil regelmäßiger Schlaf gesund ist, statt sich an den Sternen und dem zu- und abnehmenden Mond zu erfreuen. Und sie erwarten, dass auf ihrem Kaffeebecher-to-go steht, was sie eh wissen: Frischer Kaffee ist heiß und man kann sich an ihm verbrennen.

Menschen zweifeln alles Mögliche an, beschreiten z.T. extreme Wege und pflegen Intoleranzen (Laktose, Gluten etc.), von denen früher keiner etwas wusste.

Apropos Intoleranz: Kennen Sie die, die sich neben die Raucher stellen, welche extra nach draußen gegangen sind, um niemanden zu belästigen, um dann auffällig hüstelnd um Rücksicht zu bitten?

U Can´t Touch This

Manchmal, wenn ich so morgens auf der Waage stehe, frage ich mich, wie wir das früher nur gemacht haben. Kein Sport, kein Studio und doch Normal- bis Idealgewicht.

Und dann fällt mir ein, dass kleine Kinder einen fordern. Wenn sie zu schnell voran laufen und man hinterher muss, damit sie nicht überfahren werden und all das. Später dann, da waren die Kinder schon älter, gingen wir in die Disco. AMI-Disco. Da spielten sie so Zeugs mit viel Bässen und viel Rhythmus. Und man musste sich ordentlich bewegen. Da wurden die Pfunde runter geschüttelt, ohne dass man sich der Anstrengung bewusst war. Manchmal, freilich, ging einem die Puste aus. Aber dennoch fühlte man sich gut und hatte Spaß.

Manchmal, nicht immer, gefällt mir das auch heute noch.

Ich stehe an der Balkontür, froh, dass viertel nach elf wenigstens jede zweite Straßenlaterne ausgeschaltet wird und mich nur sieht, wer genau hinschaut. Und dann fällt mir ein, was sie mich in der Reha lehrten: Gleichgewicht trainieren durch Anheben eines Beines und (wenn man gut drauf ist) das andere dabei einknicken. (Ungeübte dürfen sich dabei gerne irgendwo festhalten bis sie sicher sind, dass es auch ohne geht.) Fühlt sich gar nicht so schlecht an.

Inzwischen bin ich bei SUMMERTIME. Ich und Will Smith waren damals noch viel jünger. Er noch kein Scientologe und auch noch nicht vom Backenstreich beim Oscar gezeichnet.

So geht sie hin die Zeit.

Und über all dem steht die wahnsinnig schmale Mondsichel, die sich zu amüsieren scheint über diesen Mischmasch aus Nostalgie und Reha-Sport.

Operative Zellstoffsteuer

Neulich las ich auf einer dieser Nachrichtenseiten die Meinungsäußerung einer was-auch-immer-Expertin, die es – mit meinen Worten – blöd fand, dass und wie sich die heutige Generation (natürlich ist es nicht nur eine, aber eben eine Zeiterscheinung) als Umweltschützer geriert, indem sie neue Dinge kauft: Zahnbürsten aus eben-nicht-Plastik, Klamotten aus …Umweltschutz, energiesparende Geräte.

Ihnen allen ist eigen, dass sie, um ihre hehren Umweltideen umzusetzen, etwas Altes wegwerfen, um etwas Neues zu kaufen. Und sie scheinen nicht einen Moment lang darüber nachzudenken, dass sie mit eben diesem Handeln zum Einen dem Kapitalismus in die Hände spielen, der davon lebt, Bedürfnisse zu produzieren, die wir früher nicht hatten, zum Anderen die Müllberge noch ein Stück weiter erhöhen und damit der Umwelt schaden.

Keineiner von ihnen denkt darüber nach oder rechnet einmal durch, WIE der Umwelt mehr geschadet ist: Indem ich das alte Gerät behalte und geringfügig mehr Energie verbrauche oder aber indem ich das alte Gerät wegwerfe und den Energie- und Materialverbrauch für die Herstellung eines neuen Gerätes billigend in Kauf nehme, um künftig geringfügig energieeffizienter zu hantieren.

Das sind Dinge, über die man schon einmal nachdenken kann.

Wenn man sichs leisten kann. Jene, die nicht, also: es sich leisten können, haben wohl keine solchen Wohlstandsprobleme. Bei denen laufen Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher etc. so lange bis es eben nicht mehr geht. Denn das Thema fängt ja erst bei der Bambuszahnbürste an, geht aber sehr viel weiter. Herr Musk z.B. wird sich freuen über jegliches Umweltbewusstsein, das da im Kauf eines e-Autos gipfelt, jedoch nicht danach fragt, ob die seltenen Erden, die u.a. dafür gebraucht werden, von Kindern geschürft oder die Menschen in Meck-Pom ihres ohnedies spärlichen Grundwassers beraubt werden.

Ich erinnere mich an meine Beschäftigung dermaleinst im Osten, wo wir ja bekanntermaßen nichts hatten. Ich arbeitete im Versorgungskontor für Papier und Bürobedarf. Da sich kein Mensch mehr daran erinnert, dass es so etwas gab, kann ich das getrost sagen. Wir handelten mit Papier und seeehr viel anderem. Wir hatten mit Druckern (das waren damals noch Menschen) und Buchbindern zu tun ebenso wie mit Toilettenpapier, das damals (man höre und staune) gelegentlich Mangelware war. Das ostdeutsche Toilettenpapier war insgesamt nicht schön, so dass Mangelerscheinungen eher etwas Positives hatten, denn wenn es mangelte, importierten wir und bekamen statt des grauen, nicht weichen, das weiße, kuschlige.

Vieles, und damit kommen wir zum Titel (obwohl das damalige Sortiment dadurch keineswegs abgedeckt ist) hatte mit Zellstoff zu tun. Aus dem bekanntermaßen Papier hergestellt wird. Die ostdeutschen Wälder waren begrenzt. So dass es die o.g. Steuer gab. Die weniger monetären, als eben Steuerungscharakter hatte. Alles mit Zellstoff wurde hochgradig im Auge behalten, denn wenn das eigene Aufkommen nicht ausreichte, mussten wir importieren, was Devisen kostete, von denen der Osten bekanntermaßen nicht viel hatte. (Was wir hatten, resultierte aus Geschäften, die ich mal als „nicht auf Augenhöhe“ bezeichnen würde. Nur so als Beispiel: Die gleichen Strumpfhosen, für die die ostdeutsche Frau 14 Ostmark bezahlen musste, kostete im ALDI 99 Pfennige.)

Kurzum: Wir mussten sparen und haushalten auf allen Strecken, wenngleich ich auch heute noch entschieden widerspreche, wenn irgendwer behauptet, wir hätten gehungert. DAS stimmt nicht, denn Grundernährung war staatlich subventioniert. Keiner, der sich kein Brot vom Bäcker (1,24 OM für 4 Pfund und 0,05 OM für ein Brötchen) hätte leisten können. Ebenso die Mieten, die (nach meiner Erfahrung im Westen) ein Zehntel des hiesigen Preises gekostet haben (Währungsgefälle außer Betracht gelassen). Subventioniert wurden auch: Kinderkleidung, Kultur (Bücher, Eintritte auf Veranstaltungen, in Museen) undundund. Vielleicht wurde ein wenig zu viel subventioniert. Aber gut. Immerhin hatten wir so eine Ahnung, dass es beim Schwein nur zwei Lenden gibt, und nicht jeder allzeit eine solche sich leisten kann.

Warum ich all das schreibe?

Es gibt heute Menschen, die in einem Krieg, der nicht der unsere ist, uns aber irgendwie mehr betrifft als gedacht/ gewünscht, eine Stellung beziehen, die ich erstaunlich, befremdlich oder was auch immer, jedenfalls nicht gut, finde.

Sie haben Angst um unseren Wohlstand, der durch eben diesen Krieg (der offenbart, wie sehr wir nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu versorgen) bedroht ist. Der obendrein offenbart, dass und wie sehr unser Wohlstand daraus resultiert, dass unsere Versorgung durch Länder abgedeckt ist, deren Lohn- und Währungsgefälle uns zugute kommt (man erinnere sich an die Strumpfhosen).

Manchmal, denke ich, sollten wir von unserem hohen Ross herunter kommen.

Und vielleicht, fürchte ich, werden wir wider besseres Wollen, durch die derzeitige Situation lernen (müssen), uns zu bescheiden.

Ich als Ostdeutsche sehe da kein Problem; ich kenne das.

418135

oder: Zwischen riesengroß und winzigklein

Morgen rast der Asteroid mit o.g. Nummer an der Erde vorbei. Knapp, aber außerhalb dessen, was wir als ernsthafte Gefahr betrachten. Übermorgen gleich noch einer (dessen Namen ich vergessen habe). Beide erinnern uns (also die Menschen, die sich interessieren) daran, dass unser Leben immer und allzeit in Gefahr ist. Ohne von Menschen gemachte Kriege, Klimaprobleme undundund.

Da helfen keine Versicherungen für oder gegen alles Mögliche und auch keine Bausparverträge. Auch wenn der Mensch der Neuzeit meint, er müsse immer und für alles die hundertprozentige Sicherheit haben. (Erinnern Sie sich nur an die Zweifler der Covid-Impfung. Aber das, wirklich, nur ganz nebenbei.)

Ich währenddessen stricke. Alpaca. 400 Meter Lauflänge auf 50 Gramm Wolle. Das ist wie Spinnwebenstricken oder des Kaisers neue Kleider, aber unheimlich schick. Nicht nur deswegen, weil die Wollpullover von einst aber sowas von aus der Mode gekommen sind. Schließlich sind unsere Räume immer gut geheizt. (Oder doch nicht? Wer weiß, was uns die Neuzeit noch bringt, wenn auch uns der Gashahn abgedreht wird.) Aber erst einmal kommt sowieso der Sommer. Mit vielleicht dem einen oder anderen kühlen Abend. Da ist so ein Hauch von einem Nichts-Pullover vielleicht genau das Richtige?

Wir wissen nie, was auf uns zukommt. Und dennoch tun wir Dinge, von denen wir annehmen, dass sie etwas Vorwärtsgewandtes, Zukunftsträchtiges in sich haben.

Würden wir verzweifeln, zum Beispiel, weil so ein Asteroid auf uns zurast, müssten wir aufgeben, erstarren, stagnieren. Aber wir hoffen immer, dass es weitergeht und gut wird.

Und wenn es sich dann auch noch so gut anfühlt wie Alpaca, hat sich alles gelohnt, auch wenn es morgen oder übermorgen vorbei wäre. Zum Glück ist das unsere Natur.

Atemlos

Wir reden, schreiben und denken in den letzten Jahren so viel über Emanzipation, wir glauben, dass wir ihr ein gehöriges Stück näher gekommen sind. Und manchmal, gerne von Männern, kommt der Gedanke, wir Frauen würden es inzwischen übertreiben. Es sei doch alles in Ordnung.

Wir verdienen gleich viel für die gleiche Arbeit. Und wenn wir weniger verdienen, liegt es daran, dass wir uns halt zu sehr bescheiden, schlecht bezahlte Berufe wählen, nur in Teilzeit arbeiten oder aber nicht gut verhandeln können.

Dass es beileibe nicht so einfach ist, wurde mir neulich bewusst.

Ich sah „Proxima – Die Astronautin“, weil ich mich für Raumfahrt und das Weltall interessiere. Umso tiefer traf es mich, dass es ganz und gar nicht darum ging (der gesamte Film spielt auf der Erde), sondern darum, wie Frauen, die nach großen Zielen streben, am Ende doch auf die Grenzen ihrer Biologie zurück geworfen werden: Wie erkläre ich meiner siebenjährigen Tochter, die ich gerade für ein Jahr zu verlassen mich anschicke, dass ich sie dennoch liebe, dass es wichtig ist, was ich tue, und ein Privileg für mich als Frau (nur zehn Prozent all derer, die im Weltall waren, waren Frauen)?

Und wie komme ich selbst, so als Mutter, mit dieser Sache zurecht?

Böse Zungen behaupten, wenn ich große Karriereinteressen habe, so als Frau, sollte ich darüber nachdenken, ob ich wirklich auch Kinder haben will. Das geht nicht zusammen, meinen sie.

Andere wieder sagen, Deutschland (wahlweise: die westliche Welt) stirbt aus, weil die Frauen keine Kinder mehr kriegen (wollen). Sie würden schon wollen, denke ich, machte man es ihnen nicht so verdammt schwer.

Ich selbst, erinnere ich mich, tat um des beruflichen Fortkommens Willen Dinge, die ich heute zutiefst bereue, obwohl sie keine wirklichen Schäden beim Nachwuchs hinterließen.

Und dann lese ich in den Medien, wie man über Frau Spiegel urteilt.

Es sei dahin gestellt, ob und wie kompetent sie gewesen und wie richtig ihr Rücktritt war. Für mich jedenfalls stellt sich die Frage, ob die Häme, mit der man die Unmöglichkeit des Zusammengehens von politischer Karriere und Familie für eine Frau kommentierte, nicht nur unzeitgemäß, sondern auch erschreckend war.

Nicht zu Unrecht wurde in den Medien gefragt, ob man einem Mann die gleichen falschen Entscheidungen genauso angelastet hätte. Oder hätte er sie einfach nicht getroffen, weil daheim weibliches Personal sich um die Kinder kümmert und nach der Frau schaut?

Gar nicht zu reden davon, dass die (männlichen) Politiker der Neuzeit insgesamt beileibe nicht mehr so schnell zurück treten, seien ihre Vergehen so schwerwiegend auch immer.

Wider all anderslautenden Töne, meine ich, liegt noch ein längerer Weg vor uns als wir glauben.