Alles, was Odem hat …

.. lobe den Herrn.

Der Dirigent sagt zu seinem Chor, sie sollen nicht einfach singen, sondern sie sollen IHN, den Herrn, an-singen.

Später, im Interview, wird er sagen, es glaubten ja vielleicht nicht alle an Gott. Aber an irgendwas glaube doch jeder.

Wohl wahr, bestätige ich im Geist. Und ich weiss, dass ich diese Musik, der so viel Inbrunst anempfohlen ist, hören muss.

Schon bei den ersten Tönen erkenne ich, dass dies keine Musik für eben mal so reinhören ist. Dazu braucht es eine Kirchenkuppel. Und da ich die nicht hier hab, einen offenen Himmel.

Ich gehe also raus auf den Balkon, schalte den Player wieder ein.

Und die Musik bricht über mich herein. Unter dem Mond mit leichten Wolkenschleiern und ein paar Sternen die Weinpflanze, die nach Jahren vergeblicher Pflege nun tatsächlich wieder zu wachsen beginnt. Von der Shisha-Bar unten ziehen bunte Düfte herauf. Hinter den Hügeln ein Wetterleuchten.

So höre ich den Chor. Zum Lobpreis des Herrn, an den ich nicht glaube, was nichts an meiner tiefen Bewegtheit ändert. Alles, was Odem hat …

Ich atme tief. Irgendetwas da drin empfängt das, was ich höre, mit einer solchen Macht, dass ich nicht ruhig bleiben kann.

Nach dem dritten Anhören stehe ich auf. Fast sind der Gefühle zu viel.

Unten, vor dem Brunnen, sitzt ein Paar, älter schon, in solcher tiefen Innigkeit, dass ich einen Moment lang verharre. ER spürt, dass er angesehen wird, schaut nach oben. Ich lächle und nicke einen Abendgruß.

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